Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

10JUL2026
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Es ist Freitagabend und plötzlich heißt es: Bombenalarm.

Ich bin an dem Wochenende mit ein paar Freunden verabredet. Wir waren gemeinsam auf einer Fortbildung und treffen uns seitdem jedes Jahr. Diesmal sind wir in Nürnberg. Die Tage sind durchgeplant. Eigentlich wollten wir gerade beginnen uns zu erzählen, was seit letztem Jahr so los war und plötzlich piepen unsere Handys.

Es wurde eine Fliegerbombe gefunden. Alle im Umkreis von zwei Kilometern müssen die Häuser verlassen. Schnell ist klar: Wir gehören dazu. Und schnell ist auch eine Lösung gefunden: Wir können in ein Haus ein paar Kilometer außerhalb von Nürnberg. Es ist nervig, weil wir unser Wiedersehen anders geplant hatten, aber alles in allem ist es unkompliziert. Wir fangen an, das Notwendigste zusammenzupacken.

Eine syrische Familie ist auch noch mit uns im Gästehaus. Ein Ehepaar mit einer kleinen Tochter. Vielleicht 8 oder 9 Jahre alt. Sie machen sich auf den Weg in eine der Notunterkünfte. Die Kleine hat Angst und versteht die Welt nicht mehr. Sie sagt: „Bei uns zuhause mussten wir beim Bombenalarm in den Keller und jetzt sollen wir plötzlich das Haus verlassen?“ Mir wird schmerzhaft bewusst, was dieses Kind schon alles mitmachen musste und jetzt auch hier in Deutschland so eine Situation erlebt. Ich frage mich, wie die Kleine wohl weiter aufwachsen wird, wenn sie nirgends Sicherheit spürt.

Um vier Uhr morgens wird die Bombe entschärft. Uns geht es allen gut, aber wir sind völlig platt, weil wir so lange darauf gewartet hatten, wann wir wieder zurückkönnen. Wir fahren direkt zurück und versuchen noch eine Mütze Schlaf zu bekommen.

Am nächsten Morgen treffen wir im Gästehaus auch die syrische Familie wieder. Wir sind froh, dass alles gut gegangen ist. Sowohl die Entschärfung der Bombe als auch das mit den Notunterkünften. Doch eine Frage trübt unsere zurückgewonnene Leichtigkeit. Die Frau der syrischen Familie fragt: „Was wohl in unserem Heimatland in achtzig Jahren noch an Bomben und Minen im Boden gefunden wird?“.

Und da wird mir noch mehr bewusst: Krieg hat immer Leid und Tod zur Folge. Wenn ich unsere Nachrichten anschaue, sehe ich „nur“ das aktuelle Leid. Wenn ich auf die syrische Familie in dieser Nacht schaue, sehe ich was so ein Krieg innerlich und äußerlich anrichtet. Wie er auch in Zukunft das Leben von Menschen bestimmt. Und das tut weh!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44735
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