Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

08JUL2026
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Ein Fünfzehnjähriger ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Ich war bei der Beerdigung, weil ich seine Eltern gut kenne. Es war schlimm. Die verzweifelten Eltern zu sehen. Die vielen jungen Leute. Aus dem Musikverein, in dem er gespielt hat, aus seiner Berufsschule, aus seinem Freundeskreis. Alle waren sprachlos, traurig und viele haben geweint. Ich auch.

Zwei Dinge sind mir dabei wieder neu aufgegangen:

Zum einen, wie wichtig Gemeinschaft ist. Gerade in einer solchen Situation, in der ich mich so hilflos fühle. Aber Gemeinschaft fällt nicht vom Himmel. Ich war selbst als Jugendlicher beim Jugendrotkreuz, habe in der Blaskapelle mitgespielt und war Ministrant in der Kirchengemeinde. Ich habe dort im Laufe der Zeit erfahren, dass es Menschen gibt, die mir wohlgesonnen sind, mit manchen bin ich bis heute befreundet. Sie stehen mir bei, wenn etwas Schlimmes passiert.

Und zweitens: An Gott zu glauben, kann hilfreich sein. Der Pfarrer hat am Beginn der Beerdigung gesagt, dass er nicht weiß, warum der junge Mann diesen Unfall hatte. Dass es darauf keine Antwort gibt, warum Gott solche Dinge zulässt. Aber dass gläubige Menschen glauben und hoffen, dass Gott das nicht egal ist. Dass er mitleidet, mitgeht und auch, dass wir uns eines Tages alle wiedersehen werden. Ich glaube das auch.

Mit dem Glauben verhält es sich genauso, wie mit der Gemeinschaft. Der fällt auch nicht vom Himmel. Ich muss ihn genauso erfahren und einüben. Indem ich jeden Abend vor dem zu Bett gehen bete oder sonntags im Gottesdienst bin. Gott ist nicht irgendwo weit weg. Manchmal glaube ich, dass ich ihn spüre. In einem Moment der inneren Ruhe, wenn ich bete. In einem Wort oder Lied, das mich im Gottesdienst berührt oder auch manchmal einfach nur im Rauschen der Blätter, wenn ich spazieren gehe. Ich kann es nur schwer beschreiben. Aber ich habe dann eine Ahnung, dass Gott da ist. Und diese Ahnung ist in den vergangenen Jahren stärker geworden. Es ist, wie mit einem guten Freund, mit dem ich Zeit verbringe. Man lernt sich besser kennen.

Bei dieser Beerdigung habe ich beides erlebt. Wie Gemeinschaft und Glaube helfen, die allgemeine Sprachlosigkeit auszuhalten. Und, wie gut es tut, wenn wir uns in schweren Zeiten nicht allein lassen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44733
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