Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
„Alle Menschen lieben Seifenblasen.“ Das hat neulich eine Studentin zu mir gesagt. Ich musste schmunzeln, weil ich gleich Seifenblasen vor meinem inneren Auge hatte. Sie hat mir dann erzählt, dass sie immer ein kleines Röhrchen Seifenblasen dabei hat. Wenn zum Beispiel bei einer Sitzung eine Diskussion schwierig ist, dann kommt es zum Einsatz. „Danach war es meistens besser.“, sagte sie. „Auch wenn die Situation vorhin vielleicht gerade blöd war, dann haben zumindest einige kurz gelächelt.“.
Was für eine tolle Idee. Und ich kann mir gut vorstellen, dass das wirklich funktioniert. Wenn Seifenblasen so leicht und bunt durch die Luft schweben. Die Situation ist bestimmt nachher noch dieselbe. Die Menschen auch. Aber im besten Fall hat sich die Atmosphäre ein wenig geändert.
Stellen Sie sich mal vor: Sie stehen am Bahngleis. Es kommt eine Durchsage, dass Ihr Zug 20 Minuten verspätet ist. Sie stehen dort, stöhnen vielleicht, motzen, zücken Ihr Handy. Und dann sehen Sie plötzlich, wie eine Wolke Seifenblasen an Ihnen vorbeizieht. Müssen Sie da nicht automatisch hinschauen, schmunzeln und schauen, wo die herkommen. Natürlich kommt der Zug deswegen nicht früher. Aber durch das Genervtsein auf die Bahn auch nicht.
Ich glaube, wir brauchen mehr Seifenblasen in unserem Leben. Mehr Momente, die uns den Ärger, der manchmal in uns hochkommt, vergessen lassen. Etwas, wie Seifenblasen lässt mich kurz in die Luft und in die Weite schauen, staunen und lächeln. Die bunten schwebenden Kugeln sind geradezu ein Gegenmodell zur kahlen Härte eines Bahnhofs.
Als Theologe würde ich sagen: Seifenblasen sind so, wie ein bisschen Frohbotschaft für zwischendurch. Ok, es ist gewagt meinen Glauben mit Seifenblasen zu vergleichen. Ich hoffe, er platzt nicht so leicht. Trotzdem gibt es eine Gemeinsamkeit. Wie Jesus mit Menschen umgangen ist, was er von Gott erzählt hat, dass er gestorben und auferstanden ist. Diese große Geschichte… lässt mich auch immer wieder staunen, in die Weite schauen und manchmal auch lächeln. Gerade wenn etwas schwierig ist. Wenn ich wahnsinnig gestresst bin oder einen Streit hatte und mich über jemanden geärgert habe. Da habe ich durch biblische „Geschichten“ und meinen Glauben immer wieder Seifenblasenmomente erlebt. Danach war nicht alles gut. Aber für einen Moment besser und mein Herz weiter.
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