SWR3 Gedanken

05JUL2026
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Meine Freundin Sabine hasst es, Geschenke zu bekommen. Sie mag es auch nicht eingeladen zu werden. Das ist ihr furchtbar unangenehm. Dann murmelt sie verschämt: „Ist schon ok, ist doch nicht nötig…“

Ich weiß nicht, warum. Vielleicht fühlt sie sich sofort in der Schuld. Als müsse sie sich eine Einladung oder ein Geschenk erst verdienen, um es annehmen zu können.

Und genau da liegt das Problem, das wir oft auch im Glauben haben. Denn das, was Christinnen und Christen christlich macht, sind zwei unscheinbare Worte: geschenkte Gnade. Und es widerspricht vielem, wie unsere Gesellschaft tickt.

Gnade, das ist, wenn einem alle Schuld abgenommen wird, wenn man Vergebung erlebt, wenn einen jemand liebevoll in den Arm nimmt und flüstert „Alles wird gut!“ – das ist Gnade.

Christinnen und Christen glauben, dass Gott uns Menschen diese Gnade schenkt. Einfach, weil ich ich bin und du du. Einfach weil Gott will, dass wir unser Leben gut leben.

Und das bekommt man nicht nur einmal im Leben, sondern immer wieder neu.
Und manchmal kann man das im Leben richtig spüren. Wenn ich mich zum Beispiel zusammen mit dem Elend der Welt im Bett verkrieche und dann mein Hund kommt und sich an mich kuscheln. Diese Liebe und die Wärme – das ist geschenkte Gnade. Und wenn Sabine dann anruft und sagt: Komm vorbei, ich koche, es gibt sogar Nachtisch. Freunde – das ist auch ein bisschen geschenkte Gnade.

Man kann Gottes Gnade erleben in der Liebe, die wir leben.

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