Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

08JUL2026
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Eine Grundschülerin fährt gegen Abend mit dem Fahrrad zur Kirche.

Die ist zu, es ist Mittwoch. Das hindert sie aber nicht. Sie faltet die Hände und bittet Gott, dass der ihr helfen möge.

In der Schule klappt es nicht. Ein Junge ärgert sie, sie hat noch keine richtigen Freunde; leider spricht sie auch die Sprache noch nicht gut, weil sie erst seit ein paar Monaten in Deutschland ist.

Manchmal sind die Lehrer sauer, weil sie die Hausaufgaben nicht verstanden hatte.

Sie steht enorm unter Stress. Ob Gott ihr helfen kann?

Bei mir hatte sie sich vorher nochmal versichert, dass Gott in der Kirche wohnt.

Und offenbar glaubt sie, dass man Gott auch erreichen kann, wenn man vor der Kirche betet.

Ich finde das sehr rührend. Ein Kind will seine Eltern nicht zu sehr belasten und wendet sich deshalb an Gott. Sie weiß, wo sie hinfahren kann; sie kennt die Adresse.

Ich glaube allerdings, dass Gott nicht nur in und an der Kirche wohnt, sondern auch in der Welt. Er wohnt überall und man kann ihn jederzeit und von jedem Ort aus ansprechen.

Trotzdem verstehe ich das Mädchen gut.

Es ist einfach ein besseres Gefühl, wenn man sich auf den Weg macht, um Gott zu besuchen und mit ihm zu reden, als wenn man das einfach so von irgendwoher macht. Im Notfall geht das natürlich immer, ein Stoßgebet aus dem Auto oder im Krankenhausbett oder wenn ein gelber Brief im Kasten liegt. Notfall eben.

Aber schöner ist es, zu Gott zu fahren, in sein Haus zu gehen oder vor der Tür mit ihm zu reden. Ich glaube bestimmt, dass Gott der kleinen Schülerin auch Antwort gegeben hat.

Abends hat sie das doch noch ihren Eltern erzählt.

Im völlig fremden Land heimisch zu werden ist für Erwachsene schwer. Kinder lernen schneller, aber es ist trotzdem schwer für sie.

Wenn die Eltern ihr mehr zur Seite stehen und die Nachbarn sich engagieren und Gott hilft, dann klappt das hoffentlich in der Schule.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44722
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