Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

07JUL2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

8 Cent für eine leere Bier-Flasche im Pfandautomaten im Getränkemarkt.

25 Cent für eine leere Plastikflasche.

Klar kannte ich diese Summen, aber es hatte keine Bedeutung für mich. Leergut zurück und Pfandbon einstecken und neue Getränke kaufen. Routine.

Das hat sich geändert bei meinem letzten Besuch in Berlin. Wir waren am Bahnhof Friedrichstrasse - mein Lebensgefährte und ich - und hatten Zeit und es war heiß und nur wenige Bänke im Schatten. Alle besetzt, aber wir wollten uns dann irgendwo dazu setzen. Höfliche Frage an einen Herrn mit zwei riesigen Plastiktaschen, ob wir uns neben ihn setzen dürften. Er rückte etwas beiseite und wir kamen ins Gespräch.

Peter Paul lebt von leeren Flaschen. An schlechten Tagen verdient er 12 Euro, das wären 48 große Plastikflaschen oder noch mehr kleine. Dann kann er jedenfalls abends etwas essen. An guten Tagen schafft er bis zu 200 Euro.

Also Minimum 800 große Flaschen an so einem Tag in verschiedene Pfandautomaten.

Dann muss er natürlich sparen für die schlechten Tage, kann sich aber auch mal was gönnen.

Er sprach gepflegtes Hochdeutsch, kam aus der Nähe von Rostock, fragte uns nach der Eifel aus und erklärte uns, wie man als Flaschensammler lebt. Er schläft irgendwo in den Bahnhöfen. Wo er duscht oder ob er Ärzte findet, die Menschen wie ihn behandeln im Notfall? Keine Ahnung.

Wir verabredeten uns für den nächsten Tag. Da er kein Handy hat, musste das vage bleiben: hier auf der Bank gegen 14 Uhr – und hat auch nicht geklappt.

Erst im Nachhinein ist uns aufgefallen: es war Pfingstsonntag. Das ist doch der Feiertag, wo sich auf einmal alle Menschen verstehen konnten. Egal, welche Sprache. Egal,welche Lebenssituation.  Steht so in der Bibel.

Pfingstsonntag. Gab es da in Berlin, Friedrichstrasse, auch.         

Schade, dass Peter Paul kein Handy hat, wir würden ihm gern weiter schreiben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44721
weiterlesen...