SWR Kultur Wort zum Tag
ich ertappe mich selbst immer wieder dabei. Dass ich verallgemeinere. Dass ich von einer einzelnen Sache auf das große Ganze schließe. Wenn ich auf dem Rad sitze, sage ich schnell „Die Autofahrer“. Wenn der Zug mal wieder Verspätung hat, heißt es: „Die Bahn“.
Solche Verallgemeinerung mögen harmlos sein. Andere sind es nicht. Die laufende Fußball-WM zeigt das wieder. Da kommentiert einer, dass sich schwarze Spieler nicht lange konzentrieren könnte. Ein anderer sagt, dass japanische Spieler alle ähnlich aussehen. Ein dritter redet vom afrikanischen Fußball und dass er ein bisschen wild sei. Danach läuft es immer gleich: Menschen protestieren, sagen, dass diese Aussagen rassistisch sind. Andere widersprechen. Und die Experten versichern, dass sie das alles nicht so gemeint haben und niemand beleidigen wollen.
Das Problem: Absicht spielt hier keine Rolle. Es geht um Klischees und Verallgemeinerung. Statt Menschen individuell in den Blick zu nehmen, wird generell gesprochen: Die Afrikaner. Was einfach falsch ist. Wenn ich jetzt „die Europäer“ sage, wird das deutlich. Europa erstreckt sich zwischen portugiesischer Atlantikküste und dem Uralgebirge, zwischen Nordkap und Kreta. ‚Die‘ Europäer gibt es nicht. Was es gibt: Unzählige Kulturen, Sprachen, Religionen, Geschichten und natürlich Menschen. Der afrikanische Kontinent ist dreimal so groß, ist noch wesentlich bunter und vielfältiger. Was also soll da die Rede von ‚den‘ Afrikanern?
Klischees und Verallgemeinerung: Damit kennt sich auch das Christentum aus: Judenhass, Ausgrenzung von Frauen, gewaltsame Bekehrung von Andersgläubigen erzählen von Rassismus und Antisemitismus. Umso schlimmer, weil das christliche Menschenbild genau das Gegenteil davon behauptet: Es sagt nämlich, dass alle Menschen Gottes Ebenbild sind, dass jeder Mensch wertvoll ist und Würde besitzt. Gerade deshalb muss aus christlicher Sicht auf alle Verallgemeinerungen reagiert werden. Weil sie Menschen herabwürdigen, sie in einer Gruppe verschwinden lassen, sie nicht als Individuum sehen. Der christliche Glaube will dagegen, dass jeder Mensch gesehen und gewürdigt wird.
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