SWR Kultur Wort zum Tag
Vielleicht weil ich selbst Vater bin, geht mir diese Geschichte nach. Da sorgte vor ein paar Tagen ein belgischer Fußballspieler für Aufsehen. Der wollte die WM verlassen, um bei der Geburt seines ersten Kindes sein zu können. Der Wunsch hatte für massive Kritik gesorgt. Ziemlich hitzig wurde diskutiert: Ist die Geburt eines Kindes wichtiger als der Einsatz für seine Nationalmannschaft, sein Land?
Ein Blick in die christliche Weihnachtsgeschichte wirft ein Licht auf diese Diskussion. Da spielt Josef, der Vater Jesu, eine wichtige Rolle. Mehr noch: In jeder Weihnachtskrippe steht er wie selbstverständlich bei Mutter und Kind. Ich habe noch nie gehört, dass jemand gesagt hätte: Was hat denn der da verloren? Der soll mal besser arbeiten gehen. Oder: Geburt ist Frauensache. Ganz im Gegenteil. Das Bild der Weihnachtsfamilie gehört zu unserem kulturellen Erbe. Auch für die, die sonst wenig mit dem christlichen Glauben anfangen können. Kein Wunder: Ein Kind führt vor Augen, wie zerbrechlich, wie bedürftig, wie hilflos menschliches Leben ist. Gerade an seinem Anfang. Da braucht es alle Unterstützung, die es kriegen kann. Von Mutter und Vater, von Verwandten und Geschwistern, manchmal auch von Sterndeutern und Hirten. Josef gehört deshalb an die Krippe. Er ist wichtig!
Noch ein Gedanke: Das Kind, Jesus, fasziniert bis heute. Auch seine Geburt in Armut und am Rand der Welt. Viele Menschen fühlen sich deshalb diesem Kind nahe. Weil es zeigt: In einem kleinen, unbedeutenden Anfang kann etwas Überraschendes, Großartiges stecken. Und Josef ist in der Weihnachtsgeschichte ein entscheidender Teil dieses Anfangs. Warum also nicht auch ein fußballspielender Vater heute?
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44715
