Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

01JUL2026
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Vor einigen Wochen war ich im Krankenhaus, nichts wirklich Ernstes, ich wurde schnell wieder entlassen. Aber ich habe gestaunt: da arbeiten Menschen aus fast hundert Nationen zusammen. Um nur einige zu nennen: Der Chefarzt hatte einen syrischen Migrationshintergrund, meine Operateurin stammte aus Griechenland, die Anästhesieschwester aus dem Baltikum, der Stationspfleger kam aus Wiesbaden – das gilt in Mainz ja auch immer irgendwie als Ausland.

Sie alle haben sich sozusagen miteinander verbunden, um Menschen zu helfen. Ich kann nur ahnen, wie kompliziert es ist, ein Krankenhaus zu organisieren. Was da alles bedacht werden muss. Wie viele Abläufe das sind! Das geht nur Hand in Hand: wenn jede und jeder tut, was getan werden muss und was ihre oder seine Aufgabe ist. Die  gemeinsame Aufgabe steht über allem, ihr muss alles andere dienen.

Ich habe mich bei dieser bunten Vielfalt von Menschen in den allerbesten Händen gefühlt. Und habe bei mir gedacht: Wie wunderbar das hier im Krankenhaus klappt: Da arbeiten die verschiedensten Menschen miteinander unter einem Dach. Es tut gut zu wissen, dass das funktioniert. Und ich würde mir wünschen, dass das überall so reibungslos und selbstverständlich geht.

Für mich war der Klinikaufenthalt wie ein kleines Pfingstwunder. Beim ersten Pfingstfest vor fast zweitausend Jahren, erzählt die Bibel, da waren Leute aus den unterschiedlichsten Gegenden dabei: Phrygien, Pamphylien, Libyen und sogar aus Rom. Das Wunderbare damals: Plötzlich haben diese verschiedenen Menschen sich verstanden. Da ging es nicht nur ums Hören – sie haben entdeckt, dass sie zusammengehören. Das war eine geistliche, eine göttliche Erfahrung. Denn es war Gottes Geist, der den Menschen Augen, Ohren und Herzen geöffnet hat.

Ich wünsche mir das für unser Zusammenleben. So, wie ich es im Krankenhaus erleben durfte: Denn dort ist sozusagen ständig Pfingsten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44713
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