Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Simeon – so heißt ein Mann aus der Bibel. Und diesen Simeon habe ich für mich gerade ganz neu entdeckt.
Simeon tut allerdings nicht viel. Die Bibel erzählt nicht von irgendwelchen besonderen Taten oder Leistungen, die er vielleicht erbracht hat. Auch nicht, was er von Beruf gewesen ist, ob er verheiratet war, Kinder hatte… Nichts davon.
Simeon tut nicht viel. Aber er lebt in bewegten Zeiten. Und erlebt, wie sich im Laufe der Jahre so ziemlich alles um ihn herum verändert hat. Er hat wahrscheinlich erlebt, wie das römische Großreich seine Heimat erobert und zu einer römischen Provinz gemacht hat. Wie sich die ganze Gesellschaft dadurch verändert hat. Wie fremde Menschen mit fremden Religionen und Göttern sich in Jerusalem breit gemacht habe. Es kann nicht leicht gewesen sein zuzusehen, wie die römischen Besatzer Steuern erhoben haben und die Freiheit der Menschen eingeschränkt haben.
Was Simeon darüber gedacht haben mag? Auch davon ist in der Bibel nichts zu lesen. Nur, dass er in Jerusalem gelebt hat. Und dort jeden Tag am Tempel Gottes gewesen ist. Jeden Tag – unverbrüchlich und treu – in der nähe seines Gottes.
Wahrscheinlich ist er darüber alt geworden – aber niemals verzagt oder hoffnungslos. Er hat einfach niemals daran gezweifelt, dass Gott für sein Volk da ist, und einen Retter schicken wird, um es zu erlösen.
Das macht Simeon für mich zu etwas so besonderem: Dass er sich durch die Umbrüche und die schier unlösbaren Sorgen und Probleme seiner Zeit nicht verunsichern lässt. Sondern zuversichtlich bleibt, treu und geduldig, egal, wie lange es dauert.
Und dann geschieht es: Simeon sieht ein junges Paar – Maria und Josef – wie sie ihren Sohn zum Tempel bringen um ihn dort vorzustellen. Er hält sie an, sieht diesen Jungen und strahlt:
„Herr, nun kann ich in Frieden sterben.“ „Denn meinen Augen haben den Retter gesehen, wie du es mir versprochen hast.
Simeon kann in Frieden sterben. – Wer kann das schon von sich sagen. Er hat solange gewartet, niemals gezweifelt – Da reicht es ihm jetzt, ein Kind zu sehen. Um zu vertrauen, dass Gott da ist und es bleibt – immer.
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