Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

02JUL2026
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Irgendwann ist es doch unausweichlich gewesen: Mein altes Smartphon war kaputt und ich musste mir ein neues kaufen.

Und als ich das neue in Betrieb genommen habe, da hat es mir erst einmal jeden Morgen ein automatisches Briefing verpasst. Und irgendwelche vorinstallierten Apps haben mir erklärt, wie ich ein besserer Mensch werden kann.

Ich soll mehr Schritte gehen. Mehr Wasser trinken. Früher aufstehen. Dankbarer sein. Weniger Bildschirmzeit haben. Mehr schlafen. Mehr Sport machen. Gesünder essen. Und natürlich regelmäßig meditieren.

Ich habe eine ganze Weile gebraucht, bis ich diese automatischen Meldungen und Tipps abgestellt hatte. Ich bin nämlich schon mehr als bedient mit den Selbstoptimierungs-Ratschlägen, die mir Social Media ständig zuspielt.

Selbstoptimierung ist überall. In Podcasts. In Zeitschriften. In sozialen Medien. Überall Menschen, die um fünf Uhr morgens joggen, von irgendwelchen Super-Foods leben und dabei offenbar noch Zeit haben, das Portfolio für ihre Finanzplanung  zu organisieren.

Ich finde das übertrieben – kämpfe aber gleihzeitig mit meinem Gewissen. Denn: sollte ich das nicht doch auch machen? Und bin ich in Wahrheit nicht einfach nur zu faul, um mich ordentlich um mich selbst zu kümmern?

Ich könnte besser sein, gesünder, chicker… Das wäre doch eigentlich schön.

Außer, der Versuch artet in Stress aus: mich zu einer besseren Version meiner selbst zu machen. Ich will kein schlechtes Gewissen haben, weil ich vielleicht nicht alles raushole, was möglich ist, um gesund und vor allem leistungsfähig zu bleiben.

Wir werden alle älter. Wir machen Fehler. Wir scheitern. Wir sind manchmal müde, unkonzentriert oder einfach nur durchschnittlich. Wir sind alles Menschen.

Oder mit den Worten meines christlichen Glaubens gesagt: Wir sind alle von Gott geschaffen. Und von ihm geliebt und angenommen – auch in einer nicht optimierten Version.

Ich denke, das ist die große Stärke, die mein Glaube mir eröffnet: Eben nicht ständig zu fragen: „Wie kann ich noch besser werden?“

Sondern: Wie kann ich am besten der Mensch sein, den Gott sich vorgestellt hat?

„Werde, der du bist“ habe ich mal irgendwo gelesen. Ein guter Rat – auch, wenn das eine Fitnessuhr vermutlich anders sehen würde.  

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44708
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