Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Vor einiger Zeit habe ich einen Termin vergessen. Genauer gesagt dachte ich, er wäre erst am nächsten Tag. Und kann mir das im Nachhinein einfach nicht erklären.
Na ja, der Tag ist schon von Anfang an nicht gut gelaufen. Schon morgens – und das das hat mich scheinbar aus dem Tritt gebracht.
Die Psychologie kann mittlerweile recht gut erklären, wie solche Aussetzer zustande kommen: Und zwar immer dann, wenn die ursprünglichen Pläne und Routinen im Kopf in Konflikt geraten – mit etwas Unvorhergesehenem: Wenn z.B. das Auto nicht anspringt und man viel später loskommt.
Und so kann es passieren: Mein Tag ist unerwartet stressig – und in meinem Kopf verschiebt sich meine Erinnerung ans richtige Datum.
Mir ist es heute so wichtig, davon zu sprechen, weil das eigentlich ganz normal ist und auch erklärlich. Weil es wirklich jedem passieren kann.
Es ist mir gerade passiert mit meinem Termin. Einem Freund ist es passiert, und er hat vergessen, seine Einkaufstaschen in den Kofferraum zu laden. Zu Hause angekommen konnte er das gar nicht fassen.
Und vor kurzem ist es einer Mutter passiert: sie dachte, sie hätte ihr Kind schon zur Kita gebracht – und hat es im Auto in der Hitze vergessen.
Mir ist es heute so wichtig, davon zu sprechen, weil das so gut wie jedem passieren könnte. „Forgotten-Baby-Syndrom“ nennt die Forschung dieses Phänomen, das „Vergessene Kind Syndrom. Wenn der eigene Kopf in Stress gerät und man sich an Dinge erinnert, die so gar nicht passiert sind.
Ich möchte heute mithelfen dieses Phänomen noch bekannter zu machen: Mich hat nämlich erschreckt, wie hart viele Leute auf diesen Fall reagiert haben: Ich habe so viele Post gelesen auf Social Media, die einfach nur urteilen, verurteilen und gar nicht begreifen, dass das wirklich ein Unfall gewesen ist.
Ob Eltern, denen so etwas widerfährt, sich jemals davon erholen können? Sich selbst vergeben könen? Ich kann mir das kaum vorstellen – aber ich hoffe und wünsche es ihnen. Und möchte heute mithelfen, dass wenigstens andere nicht leichtfertig ein Urteil über sie fällen.
Menschen sind fehlbar – auch gute Menschen, auch liebevolle Menschen voller Fürsorge. Trotz allen guten Willens bleiben wir Menschen. Und es passieren uns Dinge, die wir im nachhinein nicht erklären können.
Es steht nun mal nicht in unserer Macht, alles im Leben zu kontrollieren.
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