Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

30JUN2026
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Ab und zu bekomme ich auch kritische Rückmeldung zu meiner Arbeit und meinen Beiträgen hier fürs Radio. Und höre immer wieder auch den Satz: „Gott ist eine Erfindung!“ Soll heißen: Einen Gott gibt es gar nicht, und die Vorstellung von ihm ist einfach nur menschengemacht. Und ich solle das endlich ernst nehmen: dass es besser wäre, wenn wir alle die Vorstellung von Gott aufgeben würden.

Ich nehme das ernst, aber: je länger ich darüber nachdenke – dass Gott eine Erfindung sei - desto mehr Fragen wirft dieser Satz für mich auf. (Und es ist keineswegs ausgemacht, dass es ihn deshalb nicht geben würde.)

Denn erst einmal stammen ja alle Erfindungen aus einem menschlichen Gehirn. Und sind erst mal nur ein Gedanke gewesen: Irgendjemand hat das Rad erfunden. Jemand hat die Brille erfunden. Das Telefon. Das Internet. Aber wenn ich sage: „Das Rad ist eine Erfindung des Menschen“, dann meine ich damit ja nicht, dass Räder deshalb nicht wirklich existieren.

Eine Erfindung ist zunächst einmal die menschliche Antwort auf das, was wir entdeckt oder verstanden haben. Menschen wollten sich zum Beispiel schon immer leichter fortbewegen können: Und so ist die Idee entstanden und haben sie das Rad erfunden.

Vielleicht gilt dieses Prinzip ja auch bei Gott.

Menschen versuchen schon immer, ihre Erfahrungen mit dem Leben in Worte zu fassen. Um besser klar zu kommen mit ihrer Erfahrung von Schönheit und Staunen. Von Schuld und Vergebung. Trauer, Angst, Trost. Von Hoffnung gegen alle Hoffnung. Und sie haben dafür Bilder und Geschichten gefunden. Man könnte auch sagen: erfunden: Gebete. Lieder. Rituale. Und eben auch eine bestimmte, menschliche Vorstellung von „Gott“.

Wie sollte es auch anders sein? Wir Menschen können doch nur mit menschlichen Worten sprechen. Und nur mit Bildern, die unser Kopf auch fassen kann. Und ein Bild ist eben das von Gott.

Ob es ihn tatsächlich gibt: so wie in meiner Vorstellung, ganz anders oder eben doch gar nicht: Die einen glauben an Gott – andere eben nicht.  Aber der Satz „Gott ist eine Erfindung“ beendet die Diskussion noch lange nicht.

Für mich ist er eher der Anfang der Diskussion. Denn wenn die Vorstellung von Gott menschengemacht ist, dann stellt sich ja gleich die nächste Frage: Warum tun Menschen das seit Jahrtausenden immer wieder? Und welche Wirklichkeit versuchen sie damit zu beschreiben?

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