SWR4 Abendgedanken

02JUL2026
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Die achtzehnjährige Carla aus meiner Straße häkelt und stickt für ihr Leben gern. Friedrich ist ein Arbeitskollege meines Partners, er besteigt mit Anfang sechzig noch einen Sechstausender und die 94-jährige Rosemarie schreibt an ihrer Doktorarbeit. Allen dreien ist eines gemeinsam: Sie passen nicht in typische Altersklischees.
Vermutlich hören sie immer wieder Sätze wie: „Was? Das machst du in deinem Alter?“. Dahinter steckt die Vorstellung, dass es für jedes Alter bestimmte Dinge gibt, die man tut oder eben besser lässt. Und wenn jemand da nicht reinpasst, sorgt das schnell für Verwunderung. Eigentlich schade, denn ob ich etwas kann oder mir zutraue, hängt doch nicht nur vom Alter ab. Das findet auch die katholische Kirche hier im Südwesten, oder genauer gesagt das Erzbistum Freiburg.
Schon seit April finden zwischen Mannheim und Konstanz Veranstaltungen statt, immer unter dem Motto „Respekt kennt kein Alter!“, wie zum Beispiel am 14. Juli in Rastatt. Es geht darum, dass jüngere und ältere Menschen miteinander ins Gespräch kommen, eigene Vorurteile und Altersbilder hinterfragen und erleben: Wir können viel voneinander lernen.
In Zeiten in denen von „konservativen Boomern“ und der „faulen Generation Z“ gesprochen wird, hält die Freiburger Kampagne dagegen. Denn wer mit solchen Begriffen um sich schmeißt, steckt Menschen oft in Schubladen, bevor man sie überhaupt richtig kennengelernt hat. Menschen sind so viel mehr als ihr Alter und irgendwelche Klischees. Eine Doktorandin muss nicht 26 sein.
Natürlich gibt es Lebensphasen, die von ähnlichen Erlebnissen geprägt sind, z. B. wenn man kleine Kinder hat und wahnsinnig gefordert ist und gleichzeitig auch so viele schöne Momente erlebt, wenn Kinderaugen strahlen. Oder wenn man im Alter merkt, dass manches mühsamer wird, aber man gleichzeitig auf viele Erfahrungen
zurückgreifen kann und deshalb so viel gelassener ist. Es ist schön, wenn man sich dann mit Gleichgesinnten austauschen kann und diese Gemeinsamkeiten einander näherbringen.
Trotzdem wird es niemandem gerecht, wenn jemand pauschal von „den Alten“ und „den Jungen“ spricht. Umso besser, wenn ich auf dem Schirm habe, dass nicht jeder ältere Mensch technikfern sein muss. Und nicht jeder junge Mensch auf TikTok oder anderen sozialen Medien lebt.
Und ganz sicher entdecken diejenigen überraschend viele Gemeinsamkeiten, die nicht darauf schauen wie alt jemand ist, sondern was einen Menschen begeistert, beschäftigt oder antreibt. Das merke ich selbst immer wieder, wenn ich in der Boulderhalle meine Klettergruppe treffe und da Jutta dabei ist, die mit Mitte Fünfzig ihre Leidenschaft fürs Klettern entdeckt hat.
Meinen Respekt kriegen alle, die einander zuhören und voneinander lernen, ganz egal wie alt sie sind.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44694
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