SWR4 Abendgedanken

29JUN2026
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Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist, kennt das: Es gibt die tollen Momente, in denen es einfach nur schön ist einander zu haben. Und es gibt den typischen Geschwisterneid. Ich bin mit drei älteren Geschwistern aufgewachsen, da gab es natürlich auch Diskussionen. Zum Beispiel beim Mittagessen darüber, wer ein halbes Fischstäbchen mehr bekommt als die anderen.
Klarer Fall von „Futterneid“ – wenn zumindest einer befürchtet, dass das Essen nicht für alle reicht und man selbst deshalb zu kurz kommt. Futterneid scheint, tief im Menschen zu stecken und ich habe ihn auch in einer Geschichte von Jesus entdeckt. Es überrascht mich nicht, dass das vorkommt. Immerhin verstehen sich Jesu Jüngerinnen und Jünger ja quasi auch als Geschwister, eben als Glaubensgeschwister.
Das Ganze spielt in der Rushhour von Jesu Leben. Er ist ständig unterwegs und überall, wo er ist, sind unendlich viele Leute, die ihn hören und sehen wollen. Die Jünger, also seine Wahlfamilie, scheinen davon irgendwann genervt zu sein. Sie wollen endlich mal Ruhe und Jesus für sich alleine haben. Wenigstens am Abend. So zumindest verstehe ich das, wenn sie sich bei Jesus beschweren und zu ihm sagen: „Jesus, es ist schon spät. Es reicht jetzt. Schicke die Menschen los, damit sie sich in der Stadt etwas zu essen kaufen können.“ Aber Jesus antwortet nur: „Wir haben Essen dabei, gebt den Leuten doch davon etwas ab!“. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie seine Freunde vermutlich die Augen verdrehen: „Mensch, jetzt sind doch mal wir dran. Nicht schon wieder alles teilen, das wenige Essen und die Zeit mit ihm.“
Absolut verständlich, denn laut Bibel hatten sie nur noch fünf Brote und zwei Fische dabei und die Menschenmenge war riesig. Am Ende geben die Freunde nach, hören auf Jesus und verteilen das wenige Essen unter den Leuten. Was dann passiert ist
unglaublich: Alle Menschen werden satt. Am Ende waren sogar zwölf Körbe voll Brot und Fisch übrig.
Ich muss nicht glauben, dass alles genauso passiert ist und trotzdem erfahre ich etwas aus der Geschichte: Dass teilen so viel Neues ermöglicht. Manchmal so viel, dass man es kaum glauben kann. Und das trotz typischer Futterneid-Gedanken! Die Freundinnen und Freunde Jesu hatten Vertrauen und wurden überrascht. Das ist genau der Punkt! Nicht die Frage, wie aus fünf Broten und zwei Fischen plötzlich Unmengen an Essen geworden sind. Sondern, was passiert, wenn Menschen es schaffen ihren Futterneid beiseite zu schieben.
Ich kann teilen: Meine zaghafte Zuversicht, Obst aus dem Garten, einen Glücksmoment, etwas Geld, oder die Motivation für eine gute Sache, oder eben einfach das, was ich gerade habe.

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