SWR Kultur Wort zum Tag

06JUL2026
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„Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist?“ Ein starker Hinweis, er stammt vom Apostel Paulus. Im Moment meditiere ich diesen Satz jeden Tag -  er ist zu einem meiner augenblicklichen Lieblingssätze geworden. Er erinnert mich daran, dass ich Leib bin, und dass es mir insgesamt nur gut gehen kann, wenn ich mit diesem Leib auch liebevoll, zumindest freundlich umgehe.

Erstaunlich, dass ausgerechnet der Apostel Paulus den Körper so sehr wertschätzt: als Tempel Gottes – höher geht´s ja nicht. Schließlich war der Apostel selbst kein gesunder Mensch, wahrscheinlich litt er unter wiederkehrenden Anfällen. Sein Geist jedoch arbeitete auf höchstem Niveau. Da hätte es doch nahegelegen, den kranken Körper dem glänzenden Intellekt unterzuordnen. Doch Paulus denkt anders. Er ist nicht leibfeindlich, im Gegenteil. Er bewundert die feine Justierung aller Gliedmaßen und schärft mir ein: In meinen vergänglichen Sehnen und Gliedern, in meinem Hirn und Herz wohnt: der Heilige Geist!

Das lässt auch mich meinen Leib mit anderen Augen betrachten. Denn: Was tue ich ihm alles an! Oft gönne ich ihm keine Ruhe, trainiere ihn nur halbherzig, manchmal höre ich nicht auf seine Signale. Lange Jahre habe ich ihm mit Zigaretten die Luft zum Atmen genommen. Meinen persönlichen Tempel des Heiligen Geistes habe ich ganz schön vernachlässigt, ja richtig schlecht behandelt. Dabei geht es ohne ihn nun wirklich nicht, und, fromm gesprochen: Gott hat sich ja wohl was dabei gedacht, dass er uns Menschen handfest in Fleisch und Blut verpackt hat. „Verherrlicht Gott mit eurem Leib!“, ermuntert Paulus die Menschen. Wenn Menschen achtsam und liebevoll und zärtlich mit ihrem Körper umgehen, dann ist das zum Lob Gottes - eine atemberaubend schöne Vorstellung!

Mir gefällt auch, dass Paulus den Leib mit einem Tempel vergleicht, also mit einem lebendigen Ort, an dem Menschen Gott begegnen können. Oft genug wird der Körper mit einer Maschine verglichen, das Gehirn mit einem Steuermechanismus. Doch unser Körper ist keine seelenlose Maschine, sondern ein lebendiger Organismus, ständig in Resonanz, in Begegnung mit anderen Menschen und der Umwelt.

Vielleicht stelle ich mich heute Morgen einmal vor den Spiegel, so wie Gott mich schuf, und betrachte mich mit seinen Augen, liebevoll und achtsam, und stelle mir vor: Der Heilige Geist wohnt in mir, in jeder Zelle, in jedem kleinen Blutkörperchen. Kein schlechter Tagesanfang!

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