Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

17JUL2026
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Jedes Jahr vor dem Familienurlaub die gleiche Diskussion: Wandern in den Bergen? Städtetrip? Einfach zuhause bleiben? Alles liegt auf dem Tisch.
Und am Ende fahren wir doch wieder ans Meer. Das Meer lässt uns nicht los.

Und wenn wir dann da sind und ich zum ersten Mal den Sand unter den Füßen spüre, den salzigen Wind im Gesicht, das Rauschen der Wellen in den Ohren – dann weiß ich: Es war die richtige Entscheidung, wieder herzukommen.

Am Meer muss ich eigentlich gar nichts anderes tun als einfach dasitzen und auf die Wellen schauen. Beobachten, was am Strand passiert. Mich vom Wind durchpusten lassen. Das reicht.

Irgendwann merke ich dann, wie der Druck nachlässt. Wie vieles, was zuhause total wichtig war, auf einmal ganz klein wird im immer gleichen Rauschen der Wellen. Wie meine Gedanken klarer werden. Das Herz weit. Keine andere Landschaft macht das mit mir.

Der Schriftsteller Thomas Mann hat einmal gesagt: „Das Meer ist keine Landschaft, das Meer ist das Erlebnis der Ewigkeit.” Ich finde, da ist etwas dran. Das Meer bleibt mir unbegreiflich. Faszinierend und fremd zugleich.

Ich stehe vor etwas, das unendlich viel größer ist als ich. Das geht vor mir los und hört nach mir auf – und eigentlich hört es gar nicht auf.

Das Meer macht mich klein. Aber auf eine gute Weise. Denn am Meer merke ich: Ich muss nicht alles können. Nicht alles verstehen. Nicht alles im Griff haben. Ich darf einfach sein.

„Das Meer ist keine Landschaft, das Meer ist das Erlebnis der Ewigkeit.”

Wenn ich am Meer sitze, dann erlebe ich ein Stück von Gottes Ewigkeit: Dass da jemand ist, der größer ist als ich und der mich trotzdem kennt. Jeden Gedanken. Jede Sorge. Jeden Atemzug.

Das Meer macht mich demütig. Und gleichzeitig frei. Es reicht, dass ich bin – im Angesicht der Ewigkeit.

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