Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Die Koffer sind zu. Irgendwie. Und endlich auch im Auto verstaut. Die Kinder nerven, weil sie seit einer Stunde warten und los wollen. Meine Frau und ich haben uns zweimal angekeift – einmal wegen des Proviants, einmal eigentlich wegen gar nichts.
Ich stehe vor dem Auto und überlege: Haben wir nichts vergessen? Sind im Haus alle Fenster zu? Ist die Alarmanlage an?
Und dann fahren wir los. Die ersten Kilometer sind noch angespannt. Das Navi sagt etwas, irgendjemand auf der Rückbank auch. Ich halte noch schnell an der Tankstelle, kaufe Kaffee und Gummibärchen, weil das immer gut geht.
Und dann, irgendwo auf der Autobahn, passiert es:
Mit jedem Kilometer, den wir uns von zu Hause entfernen, fällt etwas von mir ab:
Der Druck. Der Stress. Diese diffuse schlechte Laune der letzten Wochen.
Als würde jemand langsam die Luft rauslassen aus einem Reifen, der viel zu lange viel zu prall aufgepumpt war.
Die Landschaft wird fremder. Weiter. Offener. Und ich auch.
Ich fange an, Dinge zu bemerken, die ich im Stress fast vergessen hatte:
Dass meine Kinder lustig sind.
Dass meine Frau Geschichten erzählt, die ich noch nicht kenne.
Dass ich selbst Gedanken habe, für die im Alltag kein Platz war.
Die Gespräche werden tiefer. Der Ton freundlicher.
In der Bibel erzählt einer davon, wie Gott ihn aus Enge und Bedrängnis herausgeführt hat. Und dann sagt er: „Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ (Psalm 31,9)
Da spürt einer: Ich habe wieder Platz zum Leben. Ich bin nicht mehr eingeengt. Stecke nicht mehr fest in Sorgen, Pflichten oder dem, was mir Stress macht. Gott schenkt mir Weite. Luft zum Atmen. Platz für Gedanken. Gespräche. Für Freude und all das, was im Alltag oft untergeht.
Genau das erlebe ich gerade. Auf der Autobahn, mit Kaffee und Gummibärchen, irgendwo zwischen zu Hause und Urlaub. Ich bin noch nicht angekommen. Aber ich atme schon freier.
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