Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

13JUL2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ein Mann sitzt mit seiner Gitarre im Nashorngehege und singt. Einfach so. Er macht das öfter, für Tiere singen. Ob Wolf oder Waschbär, Kakadu und Krokodil, Lama oder Löwe. Auf Youtube kann man kleine Videos ansehen, in denen der französische Sänger Plumes für Tiere singt.

Er setzt sich mit größerem Abstand zu den Tieren auf einen Hocker, beginnt die Gitarre zu zupfen und zu singen. Oft sind es Lieder, die von Liebe oder Freundschaft handeln. Und so klingt es auch, eher leise, freundlich, leicht.

Egal ob Raubkatze, Reptil oder Fluchttier – die Tiere kommen zu ihm. Manche lassen sich direkt vor ihm nieder, so wie die Krokodile. Sie scheinen still zuzuhören.

Andere wollen es genauer wissen: die Pferde beschnuppern ausgiebig Gitarre und Gesicht, die Lemuren interessieren sich besonders für seine Finger und der Elefant macht seinen Rüssel ganz lang, um das Mikrofon zu ertasten.

Manchmal passiert es sogar, dass eines der Tiere den Mund aufmacht als ob es mitsingen will: Ein Faultier zum Beispiel, oder ein Affe. Ganz zu schweigen von den Graupapageien.

Die kleinen Videos von Plumes bei den Tieren berühren auf eigenartige Weise mein Herz. Als würden sie verstehen, dass er sein Lied von Freundschaft und Liebe für sie singt. Sie zeigen weder Angst noch Aggressionen, wenn sie näher kommen. Als würde die Musik Mensch und Tier dabei helfen, einander freundlich zu begegnen.

So ähnlich stelle ich mir das Paradies vor, von dem in der Bibel erzählt wird:
Der Mensch begegnet der Natur freundlich und zart. Unbewaffnet lebt er mit den Tieren zusammen und fürchtet sich nicht davor, verletzt zu werden. Mensch und Tier teilen das Leben, ohne Angst.

Und ich frage mich, ob sich in unserer Welt etwas ändern würde, wenn es mehr Menschen gäbe wie Plumes. Vielleicht kämen wir dem Paradies dann ein Stück näher.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44680
weiterlesen...