SWR Kultur Wort zum Tag
Erster Juli: das zweite Halbjahr 2026 hat angefangen. Sechs Monate noch, in denen die Bundesregierung Zeit hat, ihre Versprechen zu halten: dass alles anders wird – oder wenigstens beinah alles: Steuern runter, Renten sicher auch für die nächsten Generationen, Deutsche Bahn pünktlich oder wenigstens pünktlicher, Pflegekosten finanzierbar für alle… Reformen soll es geben – und die Verhältnisse sollen sich ändern. Und nachdem Herbst und Frühjahr der Reformen ausgefallen sind, nach viel Streit auf offener Bühne im ersten halben Jahr '26 finden manche: ist jetzt mal fällig, trotz aller neuen Krisen…
Schon klar: da geht es der Regierung und den Parteien und übrigens auch dem Wahlvolk wie so oft mit Versprechungen für andere und mit Vorsätzen – guten Vorsätzen gar – für mich selbst: schwieriger einzuhalten als gedacht. Weil die Verhältnisse eben so sind wie sie sind – und sich gar einer schnellen Veränderung widersetzen. Und weil eigentlich alle daran interessiert sind, dass sie im Grunde so bleiben; jedenfalls für mich selbst und meine Blase. Die Reichen bleiben reich oder werden reicher; die Armen oder Ärmeren – naja, bisschen besser könnte es für die werden. Könnten sich aber auch selbst anstrengen, bitte. Und ja schon, war recht heiß im Juni – aber ich fahre ja mit Klimaanlage im Auto…
Vor Jahren habe ich ein Stück aus Händels „Messias“ nochmal neu gehört – im englischen Originaltext singt da der Chor: „And we shall be changed“. Wir werden verändert werden. Hallo, wer soll sich verändern und verbessert werden: ich und du und wir alle – oder doch lieber die Verhältnisse?
Beide und alle, glaube ich. Jeder Mensch verändert sich sowieso ununterbrochen – wie schlimm wäre es, wenn einfach alles weitergehen müsste, auch wenn es falsch läuft – oder wenn ich weiterlaufe, sogar in der falschen Spur!?
Gottes Vorstellung für die Welt ist jedenfalls, dass die Menschen besser werden; sind ja geschaffen als Gottes Ebenbild; beauftragt, Gottes Liebe weiterzugeben und einander solidarisch beizustehen, auf Augenhöhe miteinander umzugehen und zu teilen, was da ist. Noch viel Luft nach oben ist da – im eigenen Leben und weltweit. Dann könnten sich auch die Verhältnisse ändern und verbessern.
We shall be changed – Gott wird den Menschen bei dieser Verwandlung helfen. Weil – das ist ja ganz klar: Von selbst werden die Verhältnisse sich kaum bessern; aber wenn jede und jeder dazu beitragen würde...
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