SWR Kultur Wort zum Tag

30JUN2026
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Da hatten die Zeitungen tage- oder wochenlang ein wichtiges Thema: Dürfen Fußballspieler bei der FIFA-WM beten oder sich sonstwie religiös zeigen? Ausgelöst hatte diese Debatte ausgerechnet ein Mitglied des DFB-Teams. Mittelfeld-Spieler Felix Nmecha hatte der Frage aber auch sozusagen die Krone aufgesetzt: Nach seinem Treffer zum Eins zu Null gegen Curacao kniet er nieder, bildet mit den Händen eine Krone auf seinem Kopf und legt die dann auf den Rasen. Könnte heißen: Ich bin ein King mit diesem Tor und mit meiner Leistung überhaupt – aber diese Ehre, diese Krone gehört Gott oder gehört Jesus Christus…

Felix Nmecha ist ein frommer Mensch – das zeigte sich auch nach dem Spiel noch auf dem Platz: Curacao hatte eins zu sieben verloren; und trotzdem oder vielleicht auch deswegen bilden Nmecha und Jonathan Tah und vier Mann aus der Karibik im Anstoßkreis einen kleinen Kreis und beten miteinander – deutlich erkennbar an gesenkten Köpfen und erhobenen Händen. „Im Spiel waren wir Gegner, nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder und haben zusammen ein kleines Gebet gesprochen, weil wir alle sehr dankbar sind… und… Jesus (wird) durch das Spiel verherrlicht…“ Nmecha erklärt also genau das, was er nach dem Tor mit der Krone getan hat.

Der Begriff „Anstoßkreis“ hat seither eine ganz neue Bedeutung: Was die Jungs da getan haben, erregt Anstoß. Reaktionen reichen von „die sollen hier anständig spielen und ihren Glauben zuhause lassen oder in der Kirche, wenn sie wollen“ über Aufforderungen zur Toleranz – für und gegen den Gebetskreis gemeint – bis zu Jubel in manchen christlichen und evangelikalen Kreisen; als hätte Felix Nmecha es den Gegnern endlich mal gezeigt…

Ich kann verstehen, wenn Leute es ablehnen, missioniert zu werden – egal, ob sie einen Glauben haben oder ohne einen Gott leben und denken. Und fundamentalistische Bewegungen finde ich oft schwierig – in jeder Religion. Übrigens auch manche fundamentalistischen Sprüche von Felix Nmecha. Meinem Gott ist jeder Mensch wichtig – egal wie er oder sie liebt und lebt.

Andererseits finde ich es aber auch richtig gut, wenn Menschen öffentlich sichtbar machen, dass sie an einen Gott glauben, sich von dem beschützt wissen, Gott verehren und zugleich um Kraft bitten und meinetwegen auch um Schnelligkeit oder was sie brauchen. Und ich beneide sie gelegentlich, weil ich weiß, wie zurückhaltend Christenmenschen sind und wie zögerlich ich selbst bin, einfach so Zeugnis abzulegen von dem Glauben, der doch auch mich trägt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44673
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