SWR Kultur Wort zum Tag

29JUN2026
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Vom Streit zwischen Petrus und Paulus berichtet die Bibel gleich zweimal: Die Apostelgeschichte hat die Story aus der Sicht des Evangelisten Lukas. Und aus eigener Perspektive und als Haupt-Beteiligter beschreibt Paulus in einem Brief an seine Gemeinden in Galatien, wie es damals zugegangen war: Grundsätzlich hatte die junge Christengemeinde in Jerusalem Paulus schon beauftragt, dass er das Evangelium   in die damals bekannte Welt bringt. Sonst wären sie ja eine kleine sektiererische Gemeinde geblieben.

Aber kurz danach treffen Paulus und Petrus aufeinander. Da, schreibt Paulus, da „bin ich ihm offen entgegengetreten“. Es gab doch noch Streit: Müssen die so genannten Heiden erst Juden werden, bevor wir sie taufen und sie dadurch zu Christen werden dürfen? War in Jerusalem eigentlich schon entschieden: Nicht-jüdische Menschen können direkt getauft werden. Aber jetzt weigert sich der Petrus auf einmal doch, sich mit den nicht jüdischen Neugetauften an einen Tisch zu setzen – könnte ja die Juden in der Gemeinde irritieren, die sich haben taufen lassen. Aber in Wirklichkeit natürlich inkonsequent. Paulus hat sich durchgesetzt. Gott sei Dank. Und Petrus? Gilt trotzdem lange als der Anführer. Manchen als der erste Papst.

Die beiden sind dann verschiedene Wege gegangen; ihre letzten Jahre haben sie wohl in Rom verlebt und sind dort wegen ihres Glaubens hingerichtet worden. Paulus hatte römisches Bürgerrecht – darum haben sie ihn enthauptet; Petrus haben sie aufgehängt an einem Kreuz, wohl zu Zeiten des Kaiser Nero. Der frühere Fischer Petrus und der eifrige Theologe und Autor Paulus gelten als die beiden wichtigsten Säulen der Kirche: Dem Petrus hatte ja Jesus selbst die Führung übertragen; Paulus wusste sich von Christus und dem Heiligen Geist direkt berufen und hatte viele Gemeinden weltweit gegründet. Zwei Säulen, zwei Grundsteine sozusagen, obwohl sie offenbar ziemlich häufig miteinander gestritten hatten. So einen Konflikt und seine beiden zentralen Repräsentanten feiert die Kirche einfach beide zusammen, an einem Tag. Auch heute noch: Peter und Paul, am 29. Juni.

Gestritten und wieder zusammengefunden – eigentlich sollte Kirche auch heute so umgehen mit verschiedenen Ansichten und Meinungen: Streiten, miteinander ringen, Antworten suchen und dann gemeinsam weitergehen. Wäre ja auch gut gegen die Spaltung in unserer ganzen Gesellschaft.

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