SWR3 Gedanken

03JUL2026
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Mit meinem alten Sandkastenfreund Felix sitze ich zusammen. Dann überrascht er mich: Bevor er zum ersten Schluck aus seinem Weinglas ansetzt, schließt er die Augen. Er hält seine Nase ins Glas und schwenkt ein paarmal. Kaum hat er getrunken, fängt er an mir irgendwas von einer kräftigen Preiselbeernote und einem Hauch von Räucherfleisch zu erzählen. Und ich sitze einfach nur da, schau in mein Glas und sage: „Also für mich schmeckt das einfach nur nach einem guten Rotwein.“

Leute wie Felix faszinieren mich, weil sie was wahrnehmen, was mir völlig entgeht. Ich würde auch gern so gut schmecken können – und tatsächlich: Mein Kumpel zeigt mir, worauf er genau achtet, und mit der Zeit schmeck ich auch mit etwas Fantasie so was wie Preiselbeere aus dem Wein raus.

Ich habe mal diesen Vergleich gehört: Gott entdecken ist so ähnlich wie guten Wein verkosten. Viele sagen: „Ich spüre nichts und ich sehe nichts. Warum sollte ich an Gott glauben?“ Ich kann diesen Gedanken verstehen, und gleichzeitig überlege ich: Vielleicht liegt es gar nicht daran, dass Gott nicht da ist. Vielleicht haben manche nur nie gelernt, auf ihn zu achten.

Ich kann meine Wahrnehmung für Gott schärfen, genau wie meine Geschmacksknospen. Wer seinen Wein runterschüttet, schmeckt weniger. Wer nur durchs Leben sprintet, übersieht vieles. Und wenn ich Gott finden will, brauche ich etwas Anderes: ruhige Augenblicke, in denen ich wirklich mal nicht produktiv bin. Momente, in denen ich einfach nur da bin und wahrnehme was ist.

So kann ich das üben - wie beim Wein. Und wenn ich dranbleibe, kann ich es erleben: dass Gott sich mir zwar nicht aufdrängt. Aber dass er wirklich da ist.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44668
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