SWR3 Gedanken
Klingt vermutlich erstmal unbequem und zäh: so eine Schulung zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Man kann es auch Präventionsprogramm zum Thema Missbrauch nennen. In meinem Job leite ich solche Workshops, und ich merke: manche fühlen sich verdächtigt, wenn man dieses Thema anspricht. Andere fragen sich, ob das überhaupt nötig ist. Bei uns doch nicht! Aber manche kennen Betroffene und wissen, wie tief die Wunden sind, die sexualisierte Gewalt hinterlässt.
Dabei sind die Zahlen eindeutig: sexueller Missbrauch zieht sich wie ein Geschwür durch unsere gesamte Gesellschaft. Durch Familien, Betriebe, Vereine, Hochschulen, Kirchen. In Deutschland werden im Schnitt jeden Tag fünfzig Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht. Fachleute gehen davon aus, dass es in Wirklichkeit auch 500 sein können. Viele, die es betrifft, reden lange mit niemandem darüber, weil sie sich schämen, weil sie Angst haben, oder weil es ewig dauert, bis ihnen jemand glaubt. Da gibt´s dann erstmal Sätze wie „Jetzt hab dich nicht so.“ oder: „war doch lustig gemeint.“
Genau deshalb braucht es Prävention. Denn damit sich nichts Böses in eine Gruppe einschleicht, brauchen alle feinere Antennen. Dass ich die Kollegin wahrnehme, die beim Sommerfest von einem Kollegen aus Spaß mit einer Spritzpistole nass gemacht wird, obwohl sie schon dreimal „Stopp“ gesagt hat. Oder dieser Jugendleiter, der im Sommerlager immer wieder mit sexualisierten Schimpfwörtern um sich wirft, und niemand sagt was.
In einem Workshop wird nur ein Anfang gesetzt. Und wenn alle dranbleiben, dann merkt einer, der was im Schilde führt: Hier komme ich nicht weiter. Hier passen alle aufeinander auf!
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