SWR3 Gedanken

29JUN2026
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Paul steht seit Jahren mal wieder auf seinem Skateboard und legt vor meinen Augen einen atemberaubenden Trick hin. Mein Kumpel zuckt mit den Schultern, aber mir bleibt der Mund offenstehen. Was da in Paul steckt! Für ihn scheinbar nichts Besonderes, aber für mich einfach „Wow“.

Tatsächlich treffe ich häufiger als gedacht Leute, in denen mehr schlummert, als sie denken:
Da sitzt eine Schülerin vor mir, die denkt, dass sie in nichts so richtig gut ist. Am Ende der Stunde ist sie die Einzige ihrer Klasse, die mich als Lehrer anspricht, dass sie sich Sorgen um einen Mitschüler macht.

Oder mein Studienfreund Tim, der erfrischend ehrlich und gleichzeitig immer mit einer Spur Humor zurückmelden kann, wenn ihm was nicht passt, ohne dass er andere damit vor den Kopf stößt. Ich erlebe so viele, die ihre Gaben gar nicht wahrnehmen, weil sie entweder unscheinbar daherkommen oder so selbstverständlich nebenbei mitlaufen.

Dabei sind solche verborgenen Stärken für andere eine Riesengeschenk. Ich nenne sie „Schlummerstärken“. So was wie ein extravagantes, ansteckendes Lachen, ein detailgenauer Blick, der die neue Frisur erkennt, selbst wenn nur die Haarspitzen gekürzt wurden, oder die Überraschungstorte, genau an dem Tag, an dem die Stimmung am Boden ist.

Ich glaube, Gott hat jedem Menschen mindestens ein tolles Talent geschenkt. Und dafür lege ich meine Hand ins Feuer: In jedem schlummert mehr, als wir uns erträumen können. Wäre doch super, wenn ich heute diese Person bin, die das aus jemandem rauskitzelt.

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