SWR3 Gedanken

28JUN2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Was machen, wenn das Handy bimmelt, und du liest: „Hey, habt ihr Lust auf einen spontanen Besuch? Wir könnten in einer Stunde da sein. Seid ihr da?“

Bei mir bricht in solchen Momenten immer die pure Hektik aus. Klar, hab ich Lust auf Besuch, aber es hilft ja nichts. Ich muss schnell noch das Wohnzimmer durchsaugen, das Klo putzen und die Schuhe im Eingangsbereich ordentlich drapieren. Wenn der Besuch dann da ist, versuch ich den unmöglichen Spagat: Mich ausgelassen unterhalten und nebenher irgendwas Nettes auf den Tisch zaubern.

Sicher haben alle ihre eigene Art mit Besuch umzugehen. Eine Geschichte, die perfekt dazu passt, erzählt die Bibel: Von zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Die Story geht so: Jesus besucht die beiden, sie sind wohl befreundet, und kaum ist er da, hetzt die eine durchs ganze Haus und treibt noch die ausgefallensten Häppchen auf. Das ist Marta. Die andere heißt Maria, und sie sitzt einfach nur bei Jesus und hört ihm zu.

Irgendwann platzt Marta der Kragen, sie beschwert sich bei Jesus, dass Maria nur rumsitzt und keinen Finger rührt. Die Antwort von Jesus sitzt: „Marta, Du machst dir viele Sorgen und Mühen. Maria aber hat das Bessere gewählt.“

„Meine Güte“, denk ich. Eindeutiger geht´s nicht. Und könnte glatt wie für mich geschrieben sein. Weil ich wie Marta total der Anpack-Mensch bin. Ich zeige meine Zuneigung durch Ärmel hochkrempeln.

Und doch gibt es das, was wichtiger als Häppchen und Drinks ist, was so ungebrochen wertvoll ist. Ich kann sie anderen und auch meinem Gott schenken: meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44663
weiterlesen...