Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

27JUN2026
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Zum Abschied  

 

„Wie kommst du eigentlich auf die Ideen für deine Beiträge im Rundfunk?“ Oft bin ich das schon gefragt worden. Dann erzähle ich. Dass manchmal beim Zeitung Lesen irgendwas aufblitzt. Oder wenn ich mit anderen spreche. Und dass mir Gedanken besonders oft zufliegen, wenn ich im Wald bin, einfach so vor mich hin gehe mit offenen Sinnen.  

 

Aber wie wird aus der Idee dann ein Beitrag? Manchmal fällt es mir ganz leicht und alles läuft fast von selbst, wie im Flow, wie man heute sagt. Und dann gibt‘s wieder Beiträge, da muss ich mehrmals ran, weil ich spüre: Das, was mir so wichtig ist, dass ich‘s hier sagen will, kann ich einfach noch nicht so recht ‚packen‘. 

 

Aber eines ist immer gleich. Bevor ich mit einem Beitrag anfange, setze ich mich hin, schließe die Augen und hole mir im Gedächtnis ein sehr altes Gebet her. Es ist aus dem 13. Jahrhundert und es geht so: 

Alles erschaffender Gott,

dich können unsere Gedanken und Worte nicht fassen.

Du Quell des Lichtes und der Weisheit,

du alles umgreifender Urgrund.

In deiner Liebe lass einströmen einen Strahl deiner Helle

in das Dunkel meines Geistes

und vertreibe aus mir die mehrfache Dunkelheit,

in der ich geboren bin:

die Unkenntnis, die Eitelkeit, die Angst, nicht gut genug zu sein.

Schenke mir Scharfsinn zum Begreifen,

volle Kraft des Aufnehmens und Behaltens,

die Fähigkeit, das Erkannte gut fasslich darzustellen

und sorgsam auszudeuten,

und gib mir die lautere Fülle der Sprache.

Lehre das rechte Beginnen,

leite das Vorangehen,

fülle auf, was am Ende noch fehlen wird.

(Thomas von Aquin, Gebet vor Studium und Predigt)

 

Dieses Gebet begleitet mich schon lange und ist mir mit den Jahren immer kostbarer geworden. Ich habe es oft gebetet, bei ganz unterschiedlichen Aufgaben, gerade auch, wenn‘s schwierig wurde. 

Und heute möchte ich mich mit diesem Gebet verabschieden, von meiner Arbeit im Rundfunk – und von Ihnen, den Hörerinnen und Hörern dieser kleinen geistlichen Impulse am Morgen. Ich möchte es Ihnen, wenn Sie mögen, weitergeben, quasi als kleines Abschiedsgeschenk. Und ich freue mich, wenn es auch dem einen oder der anderen von Ihnen ein bisschen hilft, das Leben und den Glauben miteinander zu verbinden.

Ich danke Ihnen fürs Zuhören, in all den Jahren. Leben Sie wohl – und bleiben Sie im Segen.  

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44661
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