Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Wenn man mit anderen wandern geht, dann gibt es in der Gruppe immer welche, die ein Fernglas mitnehmen. Das sind oft die, die auch als erste auf dem Gipfel stehen oder auf dem Aussichtsturm und die Umgebung erkunden. Und dann gibt‘s manchmal auch die anderen, die eine Lupe im Rucksack haben. Das sind die, auf die die auf dem Turm meistens warten müssen, weil sie sich unterwegs mit Käfern oder winzigen Blüten beschäftigen. Zu denen gehöre auch ich, ich bin auch fasziniert von allem Kleinen. Von dem, was so winzig ist, dass man‘s mit bloßem Auge kaum sieht. Wenn ich eine Raupe über die Straße kriechen sehe, oder eine Fruchtfliege mit ihren winzigen Beinchen über den Tisch krabbeln, dann denk ich: So klein, so winzig, und doch: alles dran.
Deshalb finde ich es auch so genial, dass kluge Forscher im 17. Jahrhundert nicht nur das Fernrohr erfunden haben, sondern auch: das Mikroskop. Um auch das ganz Kleine sichtbar zu machen. Ohne das Mikroskop blieben uns sage und schreibe 90 Prozent der Lebewesen auf der Erde verborgen.
Als ich das gelesen habe, dachte ich: Da bin ich ja in bester Gesellschaft mit meiner Vorliebe fürs Kleine. Der Schöpfer selbst scheint seine Freude daran zu haben. Wie schön, dass er seine Kraft nicht nur in astronomische Weiten legt, in imposante Berge oder tonnenschwere Tiergiganten. Sondern auch in Ameisen, in primitive Einzeller, in Nanostrukturen, die wir eben erst anfangen zu erforschen.
Das bringt mich auf einen kühnen Gedanken: Wenn Gott in seiner Schöpfung das Kleine so wichtig ist, dann ist ihm vielleicht auch sonst nichts zu klein, zu unbedeutend, zu banal. „Nachher brauche ich einen Parkplatz, Gott, du weißt, ich kann nicht rückwärts einparken....“ Kann, darf, soll ich Gott mit so was kommen? Oder fühlt er sich vielleicht gar nicht belästigt, sondern liebt auch hier das Kleine, Unbedeutende, Banale? Ich weiß es nicht, aber ich merke, ich werde immer unbefangener, auch meinen Alltag Gott anzuvertrauen, ihm quasi wie ein Kind alles ins Ohr zu flüstern.
Und oft erlebe ich dann, dass sich Situationen entspannen, weil ich gelassener werde. Und Probleme, die mir Angst gemacht haben, lassen sich leichter lösen. Und dann, dann lobe ich Gott – für seine Größe. Für die Größe, dass ihm nichts zu klein ist.
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