Begegnungen

21JUN2026
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Tobias Moretti copyright: Christian Hartmann

Christopher Hoffmann trifft: den Schauspieler Tobias Moretti.

Der Österreicher gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Charakterdarstellern - und das seit Jahrzehnten. Er hat so unterschiedliche Rollen wie Ludwig van Beethoven, Mackie Messer oder den Gründer der Gestapo  Rudolf Diels gespielt. Als Kind habe ich ihn in den 90ern zum ersten Mal bei “Kommissar Rex” gesehen  - und die Serie geliebt. Immer wieder schlüpft er seither in Filmen auch in die Rolle von Pfarrern. 1959 in Tirol geboren, wuchs Tobias Moretti mit dem katholischen Glauben auf - seine Mutter legte ihm dafür den Grundstein ganz unverkrampft in die Wiege:

“Aber nie in irgendeiner Form uns überstülpend, sondern einfach das vorgelebt in ganz einfachen Dingen: Einem Kind weitergeben, dass man eine Stärke erfährt, weil man nicht allein ist. Dass man die Grundbedingungen des Sozialen erlernt, dass was man sozusagen selber nicht möchte, das tut man auch den anderen nicht. Und ich hab mich da immer empfunden als ein Mensch, der durch die Familie und die Religion das Prinzip des Miteinander versteht und versucht -weil es ist ja immer nur ein Versuch, jeden Tag.“

Tobias Moretti erinnert sich auch daran, dass seine Mutter Abends immer ein Gebet mit ihm gesprochen hat. Das haben sie aber damals schon gemeinsam abgeändert. Und diese veränderte Version, die hat Tobias Moretti dann Jahrzehnte später auch wieder mit seinen drei Kindern gebetet:

“Jesukindlein komm zu mir, mach ein frommes Kind aus mir, mein Herz ist klein, darf niemand hinein, als du, mein liebes Jesulein.” So, damit geht man schlafen. Das haben wir gleich geändert und das hab ich dann auch bei meinen Kindern gemacht: das heißt dann  “Jesukindlein, komm zu mir, mach ein frohes Kind aus mir - nicht fromm, sondern froh! Mein Herz ist klein, dürfen alle hinein, - nicht niemand hinein, nur du - , sondern dürfen alle hinein, besonders du mein liebes Jesulein,” so haben wir sozusagen inhaltlich die Dinge interpretiert.

Neben seiner Mutter hat vor allem auch ein Jugendzentrum der Jesuiten in Innsbruck sein Interesse für religiöse Fragen geweckt:

Mit 10 Jahren bin ich dann zu den Jesuiten gekommen und das war das größte Jugendzentrum Europas damals mit über 1000 Leuten.

Hier geht es um die großen Fragen des Lebens, aber auch um die alltäglichen Sorgen der jungen Menschen, sie fühlen sich ernst genommen - Glauben und Leben, das gehört für Moretti immer zusammen. Und das imponiert ihm auch an einer seiner Figuren aus dem Film “Das ewige Lied ”. Er spielt darin den österreichischen Pfarrer Joseph Mohr, der den Text für das Lied “Stille Nacht, heilige Nacht” geschrieben hat . Und er spielt das mit einer Inbrunst für das Evangelium, die mich beeindruckt. Was fasziniert ihn an diesem Pfarrer Mohr?

Das war einer, der an den Menschen dran war und das ist das Entscheidende. Weil wir haben uns durch Jesus eine neue Erkenntnis geschaffen: die der Verzeihung, die der Nächstenliebe, die der Liebe.  Und das ist das, was, so Menschen wie der Mohr, die eine Vision haben, ob das eine soziale Vision ist oder eine geistliche oder geistige, dass die immer mit dem Leben zu tun haben muss.

Versöhnung, Nächstenliebe - Tobias Moretti sieht da auch in seinem Alltag noch viel Luft nach oben - aber er will an diese christlichen Werte immer wieder erinnert werden... und daran wachsen:

Ich bin ja gar kein guter Mensch,  also ich möchte es vielleicht sein, aber ich bin gar keine. Aber trotzdem hab ich das Bedürfnis, dass ich das sein will, als Orientierung.

Ich treffe den Schauspieler in Wien, wo er an jenem Abend im Burgtheater auftritt. Denn neben zahlreichen Filmen und Serien wie “Deutschstunde”, “Gipsy Queen” oder “Bad Banks”, spielt er auch immer noch auf der Bühne - ein Highlight für mich: seine Interpretation der Figur des “Jedermann” bei den Salzburger Festspielen. Dieser “Jedermann” in Hugo von Hofmannsthals gleichnamigem Theaterstück lebt rücksichtslos für Macht und Geld:

Da überhöht sich der Mensch selber und auch die Gesellschaft, die ja die nächste Struktur von Menschentum ist. Und das ist das Problem das wir haben und das ist - wenn man so will -  der globale Mammon.

Mammon  - dieser biblische Begriff meint, dass der Mensch von seiner Geldgier beherrscht wird - so wie die Figur des Jedermann, die für Reichtum und Ansehen über Leichen geht. Moretti glaubt, dass dieser Mammon, diese Gier, auch heute in der Welt vorhanden ist, zum Beispiel wenn Menschen  ausgebeutet werden. Wenn nur noch der Profit zählt. Moretti war bei seinem Jedermann ganz wichtig:

“Im entscheidenden Moment muss es zu einer Art von Erkenntnis kommen, zu einer Erkenntnis, dass es mehr gibt als das!”

Moretti glaubt: Wir sind als Menschen dazu fähig freie Entscheidungen zu treffen und gut zu handeln, wenn wir denn wollen:

“Der Mensch ist ja mit vielen göttlichen Prinzipien ausgestattet - die Erkenntnis und die Liebe, die Möglichkeit der freien Wahl . Weil jeder Mensch hat in sich sowas wie ein inneres, ein  moralisches Grundverständnis, das tragen wir in uns, wenn wir das nicht in uns tragen, dann ist etwas kaputt. Es ist nicht normal, dass  wenn ein anderer leidet oder einem Mitmenschen etwas widerfährt, dass man sich darüber freut, es ist so dass man Mitleid kennt und wir nennen das moralische Instanz und die hat jeder Mensch in sich.

Tobias Moretti ist nicht nur ein vielseitiger Schauspieler - er hat auch privat die unterschiedlichsten Interessen: Betreibt mit seiner Frau einen Bauernhof in den Bergen Tirols. Fuhr 2013 mit seinem Bruder auf dem Motorrad bei der “Africa race” mit, einer Rallye von Paris nach Dakar. Oder trägt an Feiertagen im Gottesdienst seiner Kirchengemeinde Lesungen aus der Bibel vor. So engagiert Tobias Moretti seine Rollen als Schauspieler verkörpert, so engagiert erlebe ich ihn  auch bei unserer Begegnung im Gespräch über Sinnfragen:

“Ich freu mich, dass es solche Sendungen gibt, dass wir drüber nachdenken, über uns nachdenken - finde ich unglaublich wichtig, gerade als Orientierung.”

Und es war mir eine große Freude sich mit dem Künstler und Mensch Tobias Moretti über Gott und die Welt zu unterhalten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44650
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