SWR3 Gedanken
Heute Abend ist das dritte Gruppenspiel der deutschen Herren-Nationalmannschaft. Ob ich das Spiel schauen werde, weiß ich jetzt gerade noch nicht. Die große WM-Begeisterung, die ich 2006, 2010 oder 2014 gespürt habe, will sich bei mir diesmal jedenfalls nicht einstellen.
Ich kenne viele Menschen, die die WM bewusst boykottieren. Sie wollen kein Turnier unterstützen, bei dem politische und wirtschaftliche Interessen so sehr mit dem Sport verwoben sind. Und ich kann das gut verstehen.
Gleichzeitig merke ich bei mir selbst noch etwas anderes: Die Fußball-Weltmeisterschaft gehört für mich seit meiner Kindheit zu den Ereignissen, auf die ich mich alle vier Jahre gefreut habe. Mannschaften aus der ganzen Welt treten gegeneinander an, Menschen fiebern mit, feiern oder leiden gemeinsam. Das finde ich bis heute faszinierend.
Dieses Dilemma berührt mich auch deshalb, weil mein WM-Problem für etwas Größeres steht. Ich spüre dadurch, dass das Leben selten so eindeutig ist, wie ich es gerne hätte. Dass ich selten so klar auf der richtigen Seite stehe, wie ich es gerne würde. Viele Entscheidungen sind nicht einfach gut oder schlecht. Fast alles, was ich kaufe, konsumiere oder unterstütze, hat auch seine Schattenseiten. Oft lebe ich mit Widersprüchen, die sich nicht vollständig auflösen lassen.
Als Christ tröstet mich dabei ein Gedanke: Gott wartet nicht, bis ich auf der richtigen Seite stehe. Ich vertraue darauf, dass er mich begleitet, wenn ich ehrlich suche und ringe.
Ich glaube, dass ich heute doch das Spiel anschauen werde. Weil ich davon überzeugt bin, dass dieses weltumspannende Ereignis Freude bringt und, dass in diesem Turnier trotz aller Instrumentalisierung etwas Verbindendes steckt.
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