SWR3 Gedanken

24JUN2026
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Auf einer Reise nach Italien mit Pfarrkollegen haben wir auch im Haus des  italienischen Dichters Petrarca Halt gemacht, der im 14. Jahrhundert gelebt hat. Dort gibt es etwas versteckt im Erdgeschoss eine kuriose Besonderheit, die man leicht übersieht. In einer Wandnische findet sich eine einbalsamierte Katze. Ein bisschen gruselig ist das anzuschauen: ein weißer Körper, der nur ungefähr die Form einer Katze erahnen lässt. Aber noch kurioser ist der Grund, warum die Katzenmumie dort steht: Ein Adeliger, der das Haus von Petrarca nach seinem Tod gekauft hat, wollte den Ort für Fans und Pilger noch attraktiver machen. Also hat er kurzerhand dem Dichter Petrarca eine Katze angedichtet.

In dem er sich eine Katzenmumie besorgt, sie samt passendem Gedicht in dem Haus ausgestellt und dann behauptet hat: Diese Katze sei Petrarcas Lieblingstier gewesen. Erst Jahre später hat man das als Betrug identifiziert und verbannte die Fake-Lieblingskatze in die unauffällige Ecke, in der sie heute noch steht.

Für mich war die Katzenmumie trotzdem ein kleines Highlight – und eine humorvolle Lehre: Gerade bei berühmten und genialen Menschen sind wir vermutlich besonders empfänglich für Ausschmückungen und Hinzudichtungen. Es ist einfach eine zu gute Geschichte: Der geniale Dichterfürst und seine treue Katze, die fleißig die Mäuse gejagt hat, damit die ja nicht seine wertvollen Gedichte auffressen.

Die Geschichte ist harmlos. Aber sie erinnert mich mit einem Schmunzeln daran, dass auch unsere größten Vorbilder Menschen aus Fleisch und Blut waren. Darum lohnt es sich, die vielen und guten Geschichten auch kritisch zu lesen.

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