SWR3 Gedanken
Einsam sein ist etwas anderes als allein sein. Das ist eine Erkenntnis, die ich aus dem letzten Jahr mitgenommen hab. Einfach, aber irgendwie doch wichtig. Beim Stichwort Einsamkeit ploppt in meinem Kopf immer als erstes das Bild eines verwitweten alten Mannes auf, der allein zu Hause sitzt. Aber Einsamkeit betrifft auch Menschen, die einen großen Freundeskreis haben, Menschen, die mit Familie, Beruf und Kindern mitten im Leben stehen und auch Menschen in meinem Alter, die an neuem Ort und mit neuem Beruf gar keinen Anschluss finden.
Als Pfarrer predige ich oft darüber, dass Gott immer für einen da ist. Und davon bin ich auch wirklich überzeugt. „Fürchte dich nicht und hab keine Angst, denn der Herr, dein Gott ist überall bei dir, wohin du auch gehst“ (5. Mose 31,6) – solche starken Verse gibt es in der Bibel echt viele. Ich glaube, dass es eine unserer großen Aufgaben als Kirche ist, Menschen das spüren zu lassen: Du bist nicht allein.
Und oft gelingt uns das auch schon: Ich denke an die Vesperkirche hier in Stuttgart oder an die Spaziergänge der Evangelischen Jugend, für Menschen, die neu ins Viertel gezogen sind.. Oder an Besuchsdienste von Kirchen und anderen Organisationen, die es an vielen Orten gibt.
Das zeigt doch: Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, um Einsamkeit zu bekämpfen. Ganz viel gibt es schon. Wer gute Ideen und Projekte sucht – oder selbst Hilfe braucht –, findet beim „Kompetenznetzwerk Einsamkeit“ im Internet auf einer Landkarte bereits über eintausend bestehende Angebote. Wir müssen nur anfangen, sie zu nutzen und füreinander da zu sein.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44645