SWR4 Abendgedanken
Manchmal erzählt mir meine Freundin Ute von ihren Nächten. Eigentlich müsste sie schlafen, tief und fest, damit der nächste Tag gelingt. Aber oft ist sie nach zwei Stunden wieder wach. Dann liegt sie im Dunkeln, und ihre Gedanken drehen sich wie ein Karussell, das nicht anhalten will.
Ute liegt wach und fragt sich, wie lange sie ihren anspruchsvollen Alltag noch schafft. Wie lange ihre Kraft reicht. Und wenn sie über dieser Sorge endlich einschläft, dann ist es wieder so eine Nacht, aus der sie nicht ausgeruht aufwacht.
Sie weiß genau, was das bedeutet: Am Morgen wird sie sich fühlen, als hätte sie Steine geschleppt. Und der Morgen beginnt früh. Um halb fünf klingelt der Wecker. Dann muss sie ihren behinderten Sohn wecken, ihn anziehen, versorgen, bis der Schulbus um halb acht kommt. Drei Stunden voller Fürsorge, bevor der Tag überhaupt begonnen hat.
Ich glaube, viele kennen solche Nächte. Nächte, in denen Sorgen größer werden als am Tag. In denen es nicht nur draußen dunkel ist, sondern auch innen.
In der Bibel steht ein Satz, der mich in solchen Momenten begleitet: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Gott, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“ (Psalm 4,9)
Das ist kein Zauberspruch. Die Sorgen verschwinden nicht einfach, wenn ich ihn mir aufsage. Aber dieser Satz erinnert mich daran: Ich bin nicht allein wach. Da ist einer, der mit mir durch die Nacht geht. Einer, der meine Müdigkeit sieht und meine Grenzen kennt. Einer, der mir Kraft schenkt — nicht für die ganze Woche, aber für den nächsten Schritt.
Ute sagt manchmal: „Weißt du, ich halte durch, weil ich weiß, dass ich getragen werde.“
Und vielleicht ist das der leise Trost, der uns durch die Nacht bringt: Dass wir nicht alles alleine schaffen müssen. Dass Gott unsere Müdigkeit ernst nimmt. Und dass jeder neue Morgen ein kleines Wunder ist.
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