Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

28AUG2026
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Mit der Parascha Ki Tawo treten die Israeliten an eine Schwelle. Vierzig Jahre Wüstenwanderung liegen hinter ihnen. Nun stehen sie kurz davor, das verheißene Land zu betreten. Und gerade in diesem Augenblick erinnert die Tora an etwas Entscheidendes: Vergiss nicht, woher du kommst.

Ein besonderer Brauch wird beschrieben: Die Menschen sollen die ersten Früchte ihrer Ernte nach Jerusalem bringen. Und dabei sprechen sie einen bemerkenswerten Satz: „Mein Vater war ein heimatloser Aramäer.“
Mit diesen Worten beginnt die Erinnerung an die eigene Geschichte – an Unsicherheit, Fremdsein und Abhängigkeit. Erst danach wird von Ernte, Erfolg und Dankbarkeit gesprochen.

Die Tora weiß offenbar: Wohlstand kann vergesslich machen. Wer angekommen ist, übersieht leicht die Mühen des Weges. Wer Sicherheit erlebt, vergisst manchmal die Verletzlichkeit anderer Menschen.

Darum verbindet die Bibel Dankbarkeit immer mit Verantwortung. Die Freude über das Eigene darf nicht dazu führen, dass andere ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Gleich danach heißt es, man solle auch die Bedürftigen, die Fremden und die Einsamen am eigenen Glück teilhaben lassen.

Vielleicht beginnt Mitmenschlichkeit genau dort: im Erinnern. Im Bewusstsein, dass auch wir nicht alles allein erreicht haben. Dass unser Leben von Unterstützung, Vertrauen und manchmal auch von Zufällen getragen wird.

Unser Wochenabschnitt lehrt deshalb eine Haltung der Demut. Nicht Selbstverständlichkeit, sondern Dankbarkeit. Nicht Überheblichkeit, sondern Offenheit. Und vielleicht entsteht daraus jene innere Reife, die eine Gesellschaft menschlicher macht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44634
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