SWR3 Gedanken
Unkrautrupfen im Garten oder es zwischen den Pflastersteinen rauskratzen. Das ist ja wirklich der letzte Job, trotzdem muss es ab und zu sein, finde ich.
Und genau in dem Moment kommt meine Cousine vorbei und sagt: „Hey, der Löwenzahn hat doch so viel Power, lass ihn stehen!“ Sie liebt alles, was mit Pflanzen zu tun hat, und kennt sich super aus. Deswegen hat sie mir gleich erklärt, was so ein Löwenzahn leistet, damit er durch zwei Pflastersteine durchkommt. Und dass er das nur dank dem „Turgoreffekt“ schafft. Turgor kommt vom lateinischen „turgere“, was so viel heißt wie „prall sein“. Viele Pflanzen können in ihren Zellen einen so hohen Druck aufbauen, dass sie noch durch die engsten Stellen durchkommen und dann auch noch aufrecht ihre Blütenstängel nach oben strecken.
Seit ich das weiß lasse ich den Löwenzahn manchmal ein bisschen länger stehen, freue ich mich am Turgor-Effekt, und weiß genau: so eine Kraft brauche ich auch!
Wenn es mich schier zwischen zwei Streithähnen zerreibt und ich doch versuche ein bisschen Platz zwischen den beiden zu schaffen. Oder wenn in meinem eigenen Kopf eine festgefahrene Meinung scheinbar alles zubetoniert. Wenn mich dann jemand davon überzeugt, dass es anders ist als ich dachte.
Was für ein Gottesgeschenk, dieser Turgor-Effekt! Ich sehe darin Gottes Power, wenn sich das Leben noch durch die schmalsten Ritzen zwängt. Wenn ein Löwenzahn, ein ganzer Mensch oder ein neuer Gedanke sich Platz schafft, und dann aufrecht dasteht und blühen kann.
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