SWR3 Gedanken
Ein Friseursalon Wand an Wand mit einer Hauskapelle, unter einem Dach. Zuerst hab ich das unpassend gefunden. Föhnhaube und Zeitschriftentisch neben Glasfenstern und Orgel. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr finde ich: das passt!
Vielleicht liegt das auch an einem älteren Herrn, der in dem Pflegeheim gewohnt hat. Er wurde bis zu seinem Sterben von dem Gedanken gequält, dass Gott ihm nicht alles verzeihen könnte. Und das hat man ihm regelrecht angesehen. Daran war natürlich eine Kirche schuld, die ihm ein Leben lang eingetrichtert hat, dass Gott streng ist und Menschen unter Druck setzt.
Aber dann hat der ältere Herr mit dem Seelsorger im Pflegeheim gesprochen. Und der war davon überzeugt, dass Gott alles – aber auch wirklich alles - konsequent verzeihen wird. Dem Mann hat das so geholfen. Er hat endlich verstanden: Ich bin geliebt und gut so, wie ich bin. Er hat einen entspannten Gesichtsausdruck bekommen und wurde von innen heraus schön und strahlend.
Seitdem freue ich mich jedes Mal, wenn ich in das Pflegeheim komme, wo Friseursalon und Kapelle direkt nebeneinander liegen.
Ein guter Friseur und Gott, beide wollen ja im Grunde das Gleiche: sie wollen Menschen gut tun und sie schöner machen. Und deshalb passt für mich der Friseursalon wunderbar neben die Kapelle. Denn wenn alles gut läuft, kommen aus beiden Räumen die Menschen schöner raus, als sie reingehen.
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