SWR3 Gedanken

14JUN2026
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Hunderte weiße Baumwollfäden in einer Kirche. Manche sind von der Kirchendecke bis runter auf den Boden gespannt, andere laufen längs durchs Kirchenschiff.

Ich stehe im Freiburger Münster. Wie schön das Sonnenlicht durch die bunten Kirchenfenster reinkommt und mit den weißen langen Fäden zusammenspielt. Es sieht toll aus!

Sofort muss ich an eine Szene aus meiner Jugend denken. Da war ich schüchtern und hatte Angst vor allem, was neu war. Mit Freunden bin ich damals zu einer Jugendfreizeit gefahren und war unglaublich nervös. Ich bin mit einem dicken Kloß im Hals auf der Rückbank gesessen, während die anderen im Auto lustig rumgealbert haben. Und dann hat sich am Horizont die Sonne in den Gewitterwolken gebrochen und wunderschöne Lichtfäden an den Himmel gemalt. Da bin ich mutig geworden und habe begriffen: Ich bin nicht allein. Der Himmel beschützt mich, da gibt es eine Verbindung. Gott ist da.

Daran denke ich, als ich im Freiburger Münster stehe und wieder so ein wunderschönes Lichtspiel sehe. Die Künstlerin Elke Maier nennt ihre Installation „sichtbar-unsichtbar“.

Der Himmel und alle Himmelskraft werden wirklich manchmal sichtbar. In ganz zarten Momenten, wenn Himmel und Erde sich verbinden. Wenn ich meinen verstorbenen Papa ganz nahe fühle, oder wenn mich jemand mit meinen Bedenken versteht, einfach so, und ich dann wieder denken kann: „Es wird wieder gut werden.“

Und manchmal verbinden sich Himmel und Erde, wenn zwei sich lieben und sich gegenseitig einfach nur gut tun.

Der Himmel kann sichtbar werden: mitten im Leben und auch bei den hunderten weißen Baumwollfäden im Freiburger Münster.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44609
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