Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

15JUN2026
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„Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.“ Der Satz des Liedermachers Martin Buchholz begleitet mich, seit ich ihn das erste Mal gehört habe. Man darf sich und anderen zwar „Liebe ohne Leiden“ wünschen, aber realistisch ist das nicht.

Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt. Liebe hat etwas Bittersüßes. Das gilt für jede Form von Liebe, die Liebe zu Eltern, Geschwistern, Kindern und Enkeln – oder die Liebe zum Partner und zur Partnerin. Das gilt auch in Freundschaften ohne sexuelle Anziehung. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.

Manchmal leidet man einfach mit: beim verlorenen Wettkampf eines Kindes, dem Männerschnupfen des Partners oder dem Scheitern einer Beziehung einer Freundin. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.

Manchmal leidet man auch aneinander. Die Frau zum Beispiel, die mir erzählt, dass sie während eines Urlaubs bei einem Juwelier eine so wunderschöne Kette im Schaufenster gesehen hat. Natürlich hat sie ihrem Mann das Stück gezeigt! Und als am Ende des Urlaubs tatsächlich die Urlaubskasse immer noch gut gefüllt war, hat sie „so in den Raum“ gesagt, er könne ja noch „etwas Schönes“ kaufen. Das hat er gern gemacht. Er hatte da schon etwas im Auge – und kam mit einem Auspuff für sein Auto zurück… Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.

Man sorgt sich, man sorgt füreinander, man sorgt sich, dass man den anderen verliert. Weil Liebe auch bedeutet, dass der andere ein Teil von mir wird und ist. Es ist wie ein umgekehrter Phantomschmerz. Man fühlt den Verlust, bevor man ihn erlebt hat. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt.

Und leider ist es wahr. Unsere Lieben verlassen uns. Irgendwann wird das wahr. Es gibt sie so selten, die Liebe ohne Leiden.

Ich bin so froh, dass ich weiß, dass mein Gott das kennt.

Er kennt das Mitleiden, er kennt die Enttäuschungen und er kennt auch den Trennungsschmerz. Sein Sohn starb am Kreuz! Was für ein Zeichen seiner Liebe, dass er auch das mit mir teilt.

Wenn ich denke: „Warum lässt er das zu?“, dann setzt er sich zu mir auf meine Klagebank und sagt: „Ich bin an deiner Seite!“

Martin Buchholz findet Worte:

Am Ende bleibt: ich hab geliebt. Ich weiß nicht, was es Bessres gibt. Kein Herz, das liebt, bleibt unversehrt. Tut manchmal weh. Das ist es wert.

Am Ende bleibt: Wir sind geliebt. Ich weiß nicht, was es Größres gibt. Gott schaut uns an. Ich hab‘s gesehn. Ich glaub daran und werd es nie verstehn.

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