SWR Kultur Wort zum Tag

19JUN2026
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Mein Sohn ist Fußballfan, und deshalb war ich mit ihm bei einer Stadionführung in München. Was mich am meisten beeindruckt hat: der Spielertunnel. Durch den Tunnel müssen die Mannschaften unmittelbar vor dem Spiel durch, um auf den Platz zu gehen: erst ein paar Stufen runter, und dann ein paar Stufen rauf auf den Platz. Das muss ein unglaubliches Gefühl sein! Du kommst auf den Platz als ein König! Da wirst Du gefeiert und bejubelt. Wenn die Spieler den Rasen betreten, heißt es: jetzt geht’s los: gewinnen oder verlieren.

Interessant ist: die Fußball Arena in München ist architektonisch dem Kolosseum in Rom nachempfunden. Und da geht es – wie beim Fußball auch - um Sieg und Niederlage – um viel mehr noch: um Leben und Tod. Und soweit ich weiß, mussten die Gladiatoren in Rom auch wie durch einen Spielertunnel: erst runter und dann rauf in die Arena, wo die jubelnde Menge sie gefeiert hat wie Könige. Wer die Arena lebend verlässt und weiter bejubelt wird, stand auf einem anderen Blatt. Also ein königlicher Auftritt zwar, aber mit offenem Ende.


Da bin ich gedanklich ziemlich schnell bei Jesus. Der zieht damals, kurz bevor er stirbt, von allen umjubelt in Jerusalem ein. Alle hoffen, dass Jesus jetzt wirklich was ändert. Dass er die Menschen von der römischen Herrschaft befreit. Also feiern sie ihn wie einen König.

Bemerkenswert: Es geht auch hier wieder um Sieg und Niederlage, um Leben und Tod – wie bei den Gladiatoren. Denn dieselben Menschen, die Jesus erstmal als König bejubeln, die fordern kurz darauf seinen Tod. Und – sie setzen sich durch: Jesus stirbt. Wie nah doch Sieg und Niederlage, Erfolg und Scheitern beieinander liegen!

Beim Fußball ist es letztlich nur ein Spiel.

Und bei Jesus? Er kommt als König nach Jerusalem, gefeiert und bejubelt – und dann stirbt er als Verlierer am Kreuz.

Jesus ist allerdings der Gamechanger. Einer, der das Spiel komplett dreht, denn es nimmt schließlich noch einen völlig anderen Verlauf als erwartet. Für mich ist das die wichtigste Aussage des Christentums – am Ende steht der größte Sieg: Jesu Auferstehung  nachdem er gestorben ist. Das heißt für mich: es geht weiter nach dem Tod.

Das gibt mir echt Hoffnung. Jetzt schon, hier in meinem Leben. Vor allem in Krisen. Gerade aktuell, wo scheinbar die Mächtigen durch Krieg und Erpressung die Welt beherrschen wollen.
Das heißt nicht, dass ich nicht jetzt schon alles gebe, damit es gut läuft. Aber der Gedanke, dass es weitergeht nach dem Tod entlastet mich und -um im Bild des Spieles zu bleiben: ich bin sicher: am Ende gewinnen alle. Und das sind königliche Aussichten.

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