SWR3 Gedanken
Voller Wut lässt Lina die Tür ins Schloss knallen. Mit hochrotem Kopf schaut sie ihren Vater an – die Wut steht ihr förmlich ins Gesicht geschrieben. „Sei doch nicht so wütend“, sagt ihr Vater. „Das steht dir nicht.“
Wut ist nicht gerne gesehen. Zumindest nicht bei Mädchen und Frauen. Wütende Frauen irritieren, und gelten schnell als irrational, sogar als „hysterisch“. Das hat eine lange Geschichte und wurde nicht nur uns Frauen viel zu tief eingeprägt.
Eigentlich ist Wut nämlich etwas Gutes, Sinnvolles: Eine Energiequelle, aus der heraus dann der Mut entstehen kann, Dinge zu verändern. Häufiger Auslöser für solch eine Wut, die Kraft hat zu verändern? Ungerechtigkeit! Und die erleben wir Frauen ja leider noch immer und wieder viel zu oft.
So wie Lina. Ihr fast gleichaltriger Bruder darf abends noch raus, sich mit einem Freund treffen. Wie gerne wäre sie auch noch zu ihrer besten Freundin geradelt! Stattdessen soll sie in der Küche helfen und die kleine Schwester ins Bett bringen… Das nagende Gefühl im Bauch kennt sie schon. „Das ist so ungerecht!“, denkt sie. Traut sich aber nicht, noch mehr zu sagen.
Was würde Jesus dazu sagen? Ich bin sicher: Er wäre wütend! Wut über Ungerechtigkeit – das kommt bei ihm öfter vor, vor allem dann, wenn Menschen Unrecht geschieht. Wenn er zum Beispiel am Sabbat, am Ruhetag, keine Menschen in Not heilen soll, weil das die damals geltenden Regeln so vorsahen. Dann wurde er schon ziemlich deutlich. Voller Wut und auch Traurigkeit darüber, dass Regeln über Barmherzigkeit gestellt werden, heilt und hilft er trotzdem. Und: Er hat zwar meines Wissens nie Türen geknallt, aber durchaus auch mal Tische umgeschmissen… Also, Mädels, lasst uns ruhig auch mal wütend sein! Zumindest dann, wenn wir wieder dieses nagende Gefühl spüren – und denken: Das ist so ungerecht! Dann steht uns das nämlich durchaus gut…
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