SWR3 Gedanken
„Ich hab’s aufgegeben…“, sagt er. Und ich staune: Wie er das so sagt, wirkt er erleichtert, fast ein bisschen froh. Viele Jahre hat er sich immer wieder mit seinen Eltern auseinandergesetzt, oft gestritten. Irgendwas hatten sie immer an ihm und seinem Leben auszusetzen: Sein Job war ihnen nicht gut genug. Mach doch mal was Anständiges! Die Freundin passte nicht zu ihm. Was willst du mit der? Dann war es seine Kleidung: Mit solchen Klamotten läufst Du rum? Immer wieder hat er sich verteidigt, gerechtfertigt. Und ist dabei nur auf taube Ohren und Unverständnis gestoßen.
„Und dann hab ich‘s aufgegeben. Bringt ja doch nix.“ Erzählt er mir. „Das war wie ein jahrelanger Kampf gegen Windmühlen.“ Und lächelt tatsächlich, als er das so sagt.
Aufgeben – das ist eigentlich was, was man nicht macht. Oder zumindest nichts, was man sich und anderen so einfach eingesteht. Wer aufgibt, der ist zu schwach oder macht es sich zu leicht. Oder? – Im Gegenteil. Manchmal ist Aufgeben etwas, wofür es viel Mut und Kraft braucht. Wie bei meinem alten Studienfreund. Er hat es sich nicht leicht gemacht. Wirklich viele Jahre hat er darum gekämpft, dass seine Eltern und er sich besser verstehen. Und vor allem akzeptieren, dass das, was für ihn passt, nicht unbedingt das sein muss, was sie selbst gut finden.
Diesen Wunsch aufzugeben – das war super schwer für ihn. Und hat am Ende aber doch vieles leichter gemacht. Spart ihm nun Kraft und Energie und Zeit. Mit seinen Eltern ist es dadurch übrigens auch zumindest ein bisschen einfacher geworden, seitdem er nicht mehr jedes Mal darüber nachdenkt, wie er sich nun am besten verteidigen und für Verständnis werben kann. – Aufgeben ist alles andere als leicht. Aber manchmal halten uns Menschen gefangen und ihre Erwartungen, die wir nicht erfüllen können. „Zur Freiheit hat Christus uns befreit“, heißt es in der Bibel (Galater 5,1). Und vielleicht gehört dazu auch die Freiheit, loszulassen, was nicht mehr zum Leben führt.
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