SWR3 Gedanken
„Der Rainer mochte seinen kleinen Garten so…“, sagt sie, bevor ihre Stimme bricht. Vor wenigen Wochen erst ist ihr Mann gestorben. 86 ist er geworden. Und fehlt ihr so sehr. Sie weiß gar nicht wohin mit sich. Jetzt geht sie jeden Tag in den kleinen Garten. Setzt sich auf die schon leicht verwitterte Bank, die ihr Mann vor vielen Jahren selbst gebaut hat.
„Aus alten Latten und Hölzern, die er sich zusammengesucht hat“, erzählt sie ein bisschen stolz. „Und sie trägt uns bis heute“, sagt sie – bevor ihr klar wird, dass die Bank nur noch sie alleine tragen muss. Dort sitzt sie dann, schaut auf die gelben Rosen, die er gepflanzt hat, genauso wie die üppigen Hortensien. Und der Lavendel! „Der lockt immer so viele Bienen an, und der Duft, der erinnert mich irgendwie an ihn…“
Ich merke, dieser Garten ist nicht einfach nur ein kleiner Reihenhausgarten. Sondern so viel mehr. Ein Ort der Erinnerung. Und dann sagt sie: „Manchmal stelle ich mir vor, der Rainer sitzt jetzt auch in einem Garten. Mit so einer Bank wie unserer. Und ganz vielen Obstbäumen, die hat er sich immer gewünscht! Und vielleicht ist da auch ein kleiner Teich, an dem die Frösche quaken… Das tröstet mich irgendwie…“.
Was für ein schönes Bild, denke ich. Eine Art Himmelsbild. Vom ewigen Leben erzählt die Bibel. Aber wie es aussieht – wer kann das schon sagen? Vielleicht genau so: Wie der absolute Lieblingsort. Wie ein verwunschener, duftender Garten. Ein Ort, an dem alles da ist, was im Leben schön war und all das möglich wird, was zu Lebzeiten nicht ging, und seien es nur blühende Obstbäume und ein kleiner, plätschernder Teich… Und auf der Bank – Rainer. Der seinen Blick schweifen lässt über das, was er da gepflanzt und gebaut hat, mit viel Liebe und Phantasie. Und vielleicht setzt sich Gott manchmal zu ihm auf die Bank. Gemeinsam schauen sie dann auf die Rosen und Hortensien, lauschen auf das Summen der Lavendel-Bienen. Und Gott sagt: „Das hast Du wirklich gut gemacht.“
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