Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Letzte Woche hab ich meine Eltern in meiner alten Heimat besucht. Ich lebe schon seit Jahren nicht mehr dort. Meine Beziehungen zu den Menschen vor Ort gehen deshalb leider zurück. Das ist normal und geht vielen anderen genauso. Leider betrifft das manchmal aber auch Beziehungen zu richtig guten Freunden.
Einer meiner besten Freunde lebt – wie ich – längst nicht mehr dort. Wir haben uns seit Jahren nicht mehr gesehen und nur einmal miteinander gesprochen. Immer mal wieder hatten wir versucht, uns zu treffen, aber irgendwie sollte es nicht sein. Wir hatten uns aus den Augen verloren.
Als ich letzte Woche bei meinen Eltern war, schrieb ich ihm spontan eine Nachricht: „Hey, wir sind mal wieder vor Ort. Seid ihr zufällig auch da?“ Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, aber es passte tatsächlich. Und so haben wir uns nach Jahren wieder getroffen. Bis weit nach Mitternacht saßen wir zusammen. Die Zeit hatte uns verändert. Wir sind nicht mehr dieselben Menschen wie damals – das haben wir schnell gemerkt. Und trotzdem entstand allmählich wieder ein Vertrauen, das wir von früher kannten. Wir haben locker Worte gewechselt. Haben gemeinsam gelacht und uns über unsere Familien ausgetauscht. Es war einfach wunderbar.
Der jüdische Philosoph Martin Buber hatte recht mit seinem Satz, dass alles wirkliche Leben Begegnung ist.
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