Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Schon mit seiner Namenswahl suchte Papst Leo XIV. Anschluss an seinen Namensvetter Leo XIII. Der hatte 1891 in einem Welt-Rundschreiben gerechten Lohn, Mitbestimmung und verträgliche Arbeitszeiten für das Industrie-Proletariat von damals eingefordert und ging als „Sozialpapst“ in die Geschichte ein.
Nun stehen wir dank „Künstlicher Intelligenz“ vor einer neuen „Industriellen Revolution“, meint Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika. Und wieder sei die Würde der arbeitenden Menschen in Gefahr. KI könne zwar einerseits die Arbeit von „besonders beschwerlichen, monotonen oder gefährlichen Tätigkeiten entlasten“. Andererseits aber sei zu befürchten, dass sich die Arbeit dann diesen Abläufen total unterordnen muss und ihre Selbständigkeit verliere, schreibt der Papst. In meinen Worten: Arbeitende Menschen würden so immer mehr zu „Handlangern“ von Maschinen – schlecht bezahlt und kaum geschützt.
Schlimmer noch: Dank KI, so Papst Leo, könnten Millionen von Arbeitsplätzen dem Profit geopfert werden. Das fürchte ich auch, denn die „Geldhaie“ an den Kapitalmärkten schmieden mit Hilfe „Künstlicher Intelligenz“ längst neue Algorithmen, um noch mehr Geld aus dem Nichts zu schöpfen. Kapitalismus und KI – dieses neue „Traumpaar“ hat uns grade noch gefehlt. Nein - eine Liebesheirat wäre das nicht, wohl aber eine fette Zugewinngemeinschaft.
Zur Abwehr nimmt auch Papst Leo wie seine Vorgänger die Politik in die Pflicht. Wirtschaft ist kein ethik-freier Raum! Niemals darf das hochwirksame Instrument der KI unkontrolliert, unreguliert in die Hände von Spekulanten gelangen. Sonst würden weltweit Reichtum und Armut in die Höhe schnellen und sich die Spaltung der Menschheit weiter vertiefen. Vielmehr müsse die menschliche Arbeit „die grundlegende Dimension der menschlichen Erfahrung bleiben.“2)
Daher appelliert der Papst auch an die Beschäftigten selbst, vor allem in Bildung zu investieren. Je kompetenter arbeitende Menschen werden, desto weniger kann man sie manipulieren und ihre Arbeit entwerten. Zum andern aber sollten sie sich solidarisieren und mit Hilfe starker Gewerkschaften wehren gegen Sozialabbau und den Verlust ihrer Arbeitsplätze.
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1) „Magnifica humanitas“ (Die großartige Menschheit): Enzyklika von Papst Leo XIV. (2026) – Ziff. 152
2) Ziff 154
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