Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

09JUN2026
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Ich war Gast in einem Gottesdienst einer freikirchlichen Gemeinde. Die Gemeindeglieder waren aufgefordert, darüber nachzudenken: Was ist der wichtigste Gegenstand in meinem Leben? Spannende Antworten kamen, und eine ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Ein kleiner Junge meinte: Mein Bett.

Seither gehe auch ich bewusster und dankbarer mit diesem Gegenstand in meinem Leben um. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde in einem Anmeldebogen für die Grundschule gefragt: Hat ihr Kind ein eigenes Bett? -  Auch wenn das Viele hierzulande nicht mehr erlebt haben: das eigene Bett war einst keine Selbstverständlichkeit. Raum- und Geldnot zwangen zum Zusammenrücken.


Welche Wohltat es ist, sich nach anstrengenden Tagen hinlegen und ausstrecken zu dürfen, eine Decke zum Wärmen und ein Kissen zum Kuscheln zu haben, das weiß jeder. Der kleine Junge im Gottesdienst hat es ausgesprochen: Dieser eigene kleine Raum von meist zwei Quadratmetern ist ein Wohlfühlraum, zumindest für die, die nicht gerade krank darniederliegen.

Wenn ich in den Nachrichten Bilder von Wohntürmen sehe, die in lodernden Flammen und schwarzen Rauchwolken aufgehen – bombardiert nach Befehlen von Kriegsherrn, die selbst unbegrenzt über komfortable Schlafplätze verfügen –, dann denke ich zunächst an die Kinder, die in den zerstörten Häusern gewohnt haben. Ihr Bett ist weg und mit ihm der Rückzugsort und die Geborgenheit.

„Seht zu, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet", sagt Jesus (Matthäus-Evangelium 18,10). Und fährt fort: „Es ist auch nicht der Wille bei eurem Vater im Himmel, dass auch nur eines von diesen Kleinen verloren werde!" (18,14). Sie sind an den Kriegen unschuldig, egal, wo auf der Welt sie daheim sind. Sie haben sie nicht verursacht und angeordnet. Sie haben ein Bett verdient und Besseres als Bombardements. Deshalb bete ich mit den Worten eines Gedichts von Reiner Kunze:

 

Wir haben ein Dach

und Brot im Fach

und Wasser im Haus,

da hält man’s aus.

 

Und wir haben es warm

Und haben ein Bett.

O Gott, dass doch jeder

Das alles hätt’!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44555
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