SWR4 Abendgedanken

12JUN2026
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„Wir werden einander viel verzeihen müssen“. Das hat Jens Sphan gesagt - im April 2020 in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag. Jens Spahn war damals Gesundheitsminister und die Coronapandemie hatte gerade begonnen. Niemand hat zu diesem Zeitpunkt so richtig gewusst, was es mit diesem neuen Virus aus China so auf sich hat und wie man es eigentlich behandeln muss. Nur eines hat man schnell bemerkt: Das Virus ist sehr ansteckend. Immer mehr Menschen sind daran erkrankt. Auch die Politiker waren unsicher: Was sollen wir tun? Wie können wir die Menschen am besten vor dem Virus schützen: Kontaktverbote? Maskenpflicht? Abstandsregeln? Sollen Schulen geschlossen werden? Müssen Geschäfte zumachen? Darf man ältere Menschen noch im Seniorenheim besuchen? Sollen sogar Gottesdienste ausfallen? Jens Sphan hat geahnt, dass die Politik in den kommenden Monaten nicht alles richtig machen wird. Sie wird Regeln erlassen und Anordnungen treffen, um Menschen zu schützen und manches davon wird sich später vielleicht als falsch herausstellen. Darum sagte er: „Wir werden uns viel verzeihen müssen.“

Ich denke oft an diesen Satz von Jens Spahn. Nicht wegen der Coronaregln von damals, sondern weil Jens Spahn mit diesem Satz so recht hatte. Und das nicht nur mit Blick auf die Coronazeit. Immer, jeden Tag, gibt es etwas, dass wir Menschen einander verzeihen müssen. Wir sind alle nicht perfekt. Wir machen Fehler. Wir gehen in unseren Freundschaften und Ehen nicht gut miteinander um. Wir verletzen einander, sagen unabsichtlich böse Worte, können hartherzig und ungeduldig miteinander sein. So ist das unter uns Menschen. –Ich habe es nötig, dass andere mir vergeben, was ich ihnen oft unbewusst angetan habe. Und ich selbst muss anderen auch verzeihen dafür, wie sie manchmal mit mir umgehen. Wenn ich anderen nicht ihre Schuld vergebe, dann vergiftet der Groll und die Unversöhnlichkeit mein eigenes Herz. Ich lebe davon, dass andere mir immer wieder vergeben und ich will es auch tun. Darum bitte ich Gott jeden Tag, wenn ich das Vaterunser spreche: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

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