SWR1 3vor8

07JUN2026
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Hätten Sie auch gern ein Zimmer in Paris? Dort stehen angeblich 274 000 Wohnungen leer! Nur auf dem Markt angeboten werden sie leider nicht. Die Gründe sind vielfältig: Schlechte Erfahrungen mit Mietern, zerstrittene Erbengemeinschaften, ein Renovierungsstau, der lähmt. Oder die Wohnung wird als Spekulationsobjekt zurückgehalten. Vielleicht gehen die Preise ja noch weiter durch die Decke. Zurzeit liegen sie bei 10 000€/Quadratmeter. Das Ganze ist aber leider kein Luxusproblem. Denn auch in deutschen Städten herrscht akute Wohnungsnot. Der hohe Leerstand ist dabei nur einer von vielen Gründen. Auch bei uns auf dem Land: Egal, mit wem ich darüber ins Gespräch komme: Jeder kennt irgendwo in seiner Nähe ein unbewohntes Haus oder eine nicht genutzte Wohnung.
 
Da liest sich der Satz aus dem Predigttext für die Gottesdienste heute wie eine Notiz aus dem Paradies. Von den ersten christlichen Gemeinden wird da berichtet: „Keiner betrachtete etwas von seinem Besitz als sein persönliches Eigentum. Vielmehr gehörte alles, was sie hatten, ihnen allen gemeinsam. Wer Grundstücke oder Häuser besaß, verkaufte diese und stellte den Erlös zur Verfügung.“ Wahnsinn! Wenn es denn mal wirklich so gewesen wäre. Aber wahrscheinlich ist dieser Zustand auch schon vor 2000 Jahren schon mehr Ideal als Wirklichkeit gewesen.
 
Trotzdem steht es so in der Apostelgeschichte. Vielleicht, weil gute Beispiele einfach motivierender sind als moralische Appelle oder offizielle Aufrufe. Sie machen Mut, neue Wege auszuprobieren und auch mal was zu riskieren. Und siehe da: gute Beispiele entstehen gerade auch bei uns. Eins sogar ganz in meiner Nähe. In unserer Nachbarschaft sind jetzt zwei Frauen Anfang 20 in eine seit Jahren leerstehende Einliegerwohnung gezogen. Es hat ein bisschen Überzeugungsarbeit gebraucht und viele Gespräche, bis die Eigentümer sich darauf einlassen konnten. Schließlich hat die ganze Nachbarschaft beim Entrümpeln geholfen. Die Frauen zahlen nur wenig Miete; sie sind beide in der Ausbildung. Dafür – so ist‘s vereinbart – mähen sie alle zwei Wochen im Garten den Rasen und schneiden die Hecke. Und einmal in der Woche erledigen sie die Einkäufe. Das klappt bisher ganz gut. Für die Vermieter ist das fast wie im Paradies. Und für die Mieterinnen viel schöner als ein Zimmer in Paris. 
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44545
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