SWR Kultur Wort zum Tag

05JUN2026
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„Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“ So steht es im zweiten Buch der Bibel, dem Buch Exodus. Es ist die Erfahrung, befreit zu werden, die die Beziehung des Volkes Israel zu seinem Gott von Anfang an prägt. Nur in dieser Befreiung und wegen ihr geht die Geschichte in der Bibel weiter mit der Gabe der Zehn Gebote, die das Zusammenleben regeln sollen, damit alle gut leben können. Frei sein und gleichzeitig Verantwortung übernehmen – das gehört im biblischen Sinn immer zusammen. Damit nicht nur der einzelne Mensch, sondern auch seine Mitmenschen in einer gerechten und menschenfreundlichen Welt leben können.

Im Neuen Testament vertieft Jesus diesen Freiheitsgedanken. Er befreit Menschen von Schuld, Angst und Ausgrenzung und verkündet darin die Liebe Gottes. Der Apostel Paulus schreibt: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ Auch für ihn zeigt sich wahre Freiheit in der Liebe.

Wenn wir uns die Geschichte der Religionen, besonders auch des Christentums anschauen, wirkt es oft gar nicht so, als wären freie Menschen immer ein wichtiges Ziel gewesen. Vielmehr schildern viele bis heute ihre Erfahrung, etwa mit der Katholischen Kirche und ihren Vertretern, als eine Geschichte, in der sie und ihr freier Wille unterdrückt wurden. Sie sagen: „Da muss ich raus! Ich spüre deutlich, dass es keine gute Botschaft sein kann, wenn sie mich unfrei oder abhängig macht“.

Gott will aber ein freies Gegenüber, will Menschen, die sich in Freiheit für ihn und seine befreiende Botschaft entscheiden können – oder eben auch dagegen. Nur dann hat eine Entscheidung ihren Wert, wenn sie frei und unabhängig getroffen werden kann. Gott will das Leben in Fülle für jeden Menschen. Und frei zu sein gehört unbedingt dazu. Jeder kann spüren, wie gut es sich anfühlt, wenn Lasten abfallen – innere und äußere – wenn wir uns frei bewegen und entfalten können. Wir sind als Menschen zeitlebens in Gefahr, abhängig und unterdrückt zu werden. Entweder durch andere Menschen oder in unserem eigenen Inneren. Wenn die christliche Botschaft nicht dazu führt, Menschen freizumachen, dann ist sie unnütz und wertlos!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44542
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