SWR4 Abendgedanken

05JUN2026
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Ich gehe oft an einem kleinen Brunnen vorbei, er plätschert im Innenhof eines ehemaligen Klosters. Das Wasser läuft über den Stein, sammelt sich, fließt weiter und wird zu einem kleinen Bach. Ruhig und klar. Heute bleibe ich hier stehen, es tut mir gut, kurz innezuhalten. Der Augenblick ohne Lärm bringt mich zur Ruhe und ich denke an den heutigen Weltumwelttag.
Da höre ich viel von verschmutzten Flüssen, in denen Plastik schwimmt. Von Luft, die krank macht. Von Wäldern, die unter Trockenheit und Hitze leiden. Umweltverschmutzung kann man oft sehen, riechen, messen. Sie hinterlässt fürchterliche Spuren.
Während ich am Brunnen stehe, denke ich aber auch an eine andere Art von Verschmutzung. Eine, die nicht so leicht sichtbar ist. Was täglich in mich hineinfließt: Nachrichten, Bilder, Kommentare, Filme, Meinungen. Manches informiert mich. Manches unterhält mich. Aber manches macht mich unruhig, hart oder misstrauisch. Fake News. Häme. Hassbotschaften. Gewaltbilder. Dauerempörung. Der ständige Vergleich in sozialen Medien. Es ist eine Art von „Innenweltverschmutzung.“
Das alles kann ich nicht einfach außen vorlassen. Es hat Einfluss darauf, wie ich denke, wie ich rede und handle und wie ich andere Menschen wahrnehme. Wenn meine Innenwelt voller Lärm ist, werde ich schneller gereizt. Wenn ich ständig Angstbilder sehe, verliere ich schnell Vertrauen und Mut. Wenn ich mich dauernd mit anderen vergleiche, werde ich unzufrieden mit meinem Leben. Auch „Innenweltverschmutzung“ hinterlässt hässliche Spuren.
Mir fällt dazu ein Satz aus der Bibel ein: „Mehr als alles hüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.“ (Sprüche 4,23) Für mich heißt das auch: Ich muss darauf achten, was ich in mich hineinlasse. Nicht ängstlich, nicht weltfremd. Aber wach.
Der Brunnen im Innenhof plätschert weiter. Sein Wasser ist klar. So eine Klarheit wünsche ich mir manchmal auch innerlich. Frei von dem, was mich verschmutzt.
Ich glaube: Innenwelt und Umwelt hängen eng miteinander zusammen. Wer innerlich achtsamer wird, geht auch mit der äußeren Welt, mit der Umwelt, achtsamer um. Mit Wasser. Mit Bäumen. Mit Tieren. Mit Menschen.
Der Weltumwelttag ist für mich ein Anlass, besser zu prüfen, was ich in mich aufnehme – nicht nur, was ich esse, sondern auch meine geistige Nahrung.
Einfach sorgsamer auf das zu achten, was mir anvertraut ist. Draußen. Und drinnen.

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