Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Auf dem großen Platz am Ingelheimer Rathaus stand im Mai ein langer Tisch. 30 Meter lang! Unser großer Esstisch zuhause ist ungefähr zwei Meter lang. 15mal unser Esstisch hintereinander – das ist eine eindrucksvolle Tafel! Menschen sind neugierig geworden, stehen geblieben, haben sich dazu gesetzt, sind ins Gespräch gekommen. Manchmal gab’s auch Musik am Tisch oder Interviews mit Leuten, die auf ungewöhnlichen Wegen nach Ingelheim gekommen sind. Und genau so war’s auch gedacht: Ein „Bunter Tisch der Vielfalt“.
Für mich war dieser Tisch noch mehr als nur eine Aktion in der Stadt. Für mich ist damit ein Stück Himmel auf die Erde geholt worden. Jesus erzählt einmal davon, dass es genau so sein wird, wenn Gottes Reich bei uns Wirklichkeit wird:
Aus Ost und West, aus Nord und Süd werden die Menschen kommen und in Gottes neuer Welt zu Tisch sitzen. (Lukas 13,29)
Was für ein Bild: Menschen aus allen Ländern dieser Erde sitzen gemeinsam an einem Tisch. Menschen mit unterschiedlichen Geschichten, Sprachen und Erfahrungen. Alle zu Gast bei Gott. Alle friedlich beisammen und interessiert aneinander.
Oft ist unsere Welt noch sehr weit entfernt von diesem wunderbaren Bild. Der „Bunte Tisch der Vielfalt“ hat auch nur für zwei Wochen auf dem Rathausplatz gestanden. Aber wie schön, dass es solche Hoffnungsorte gibt. Orte, an denen Frieden ganz niederschwellig beginnen kann. An denen nicht immer nur die zusammensitzen, die sich sonst auch begegnen. An denen jemand ein Stück zur Seite rückt und sagt: „Hier ist noch Platz.“, auch wenn er den anderen nicht kennt. Orte, an denen plötzlich Zeit und Raum ist, damit Menschen wirklich anfangen, sich kennen zu lernen.
Ich habe so jedenfalls mal wieder gemerkt, dass es sich lohnt, ein Stück zur Seite zu rücken und Platz zu machen für jemanden, der mir fremd ist. Dass mein Leben bunter und reicher wird durch neue Begegnungen. Manchmal beginnt Gottes Reich ganz unscheinbar an einem Tisch mitten in der Stadt.
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